Ausgabe 
29 (17.10.1869) 42
 
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War schon Georg dieser etwas Apartes an sich habende Schmicdcmeister aufgefallen, ,so sprang ihm der neben dem Meister stehende Ludwig noch lebhafter in's Auge.

Dieses feine, geistreiche Gesicht mußte er unbedingt schon gesehen, in diese blauen,schönen, fast schwärmerischen Augen geblickt haben. Er ging die ganze Reihe seinerbunten Erinnerungen durch, konnte aber zu keinem Resultat kommen, da hörte er denSchmied sagen:Nun, Ludwig, dann frisch an's Werk." ^

Ludwig!" Der Name wurde zum Ariadnefaden, der ihn in dem verworrenenLabyrinth seines Gedächtnisses znrechtführte, und plötzlich schoß ihm der Gedanke auf:

Ich hab's! Diese Ähnlichkeit ist untrüglich, das ist Margareth's Sohn! Ich Thor,wie konnte ich nur einen einzigen Augenblick im Finstern tappen? Doch, ich muß derSache auf den Grund kommen!"

Nachdem das Geschäft des Beschlagens zu Ende war, suchte er mit dem Schmiedein Gespräch anzuknüpfen, der davon geschmeichelt, gern darauf einging, und den vor-nehmen Kunden in seine Stube nöthige.

Er war so offen, so ehrlich gegen den Schmied, und sagte: daß er ein Edler vonStrahlen im Dienst des Bricger Herzogs und sogar dessen Liebling sei; erzählte vonseinen Abenteuern, den Schicksalen seines Herzogs, und hatte sich bald mit ihm in rechtunterhaltende Dinge hineiugeplaudcrt, und dadurch des Schmiedes Zuneigung gewonnen. iDas Töchterlein hörte dem feinen Herrn andächtig zu, während die Hausfrau, aufeinen Wink des Schmieds, sich in der Küche zu schaffen machte, um dem Fremden einen sImbiß zu bereiten. !

Georg frug dann, wie von ungefähr, nach dem Gehülfen des Schmieds und meinte: h

Ein frischer, gesunder Bursche, der einmal ein tüchtiger Kriegsmann werden wird!" §

, das glaub' ich auch," entgegnete der Schmied, zieht ihn schon recht hinaus, eaber er ist noch zu jung und mag warten."

Hm, was kann er hier verlieren, er muß sich draußen herumtummeln, das macht jerst einen festen Kerl!" H

Wir wollen sehen," entgegnete Baltzer.

Ach Gott, " sagte die eben mit den Speisen hcrcintrctcndc Hausfrau.Sprich i

nur nicht wieder vorn Kriege, Hermann, du hast damit den apmcn Ludwig ohnehin von l

Kindheit an den Kopf verdreht."

Aber Ludwig will Ritter werden, und das ist prächtig!" bemerkte das junge >Mädchen.

Von Kindheit auf, Meister? Ist er Euer Sohn?" frug Georg,ich hieltihn für Euren Gesellen."

Nein, Herr, wir fanden ihn als kleines Kind in unserer Haidc, und ich nahmihn zu mir und hab' ihn groß gezogen."

Nachdem nun einmal Ludwig's Geburts -Verhältnisse zur Sprache gekommen,, hatteer kein Geheimniß mehr daraus zu machen.

Und nie etwas über ihn gehört?" frug Georg. ^

Nie," war die Antwort.

Die Frau setzte redseliger hinzu:Es ist uns nie gelungen, die Sache aufzuklären,so viel Mühe wir uns gegeben, und wenn ihm nicht einmal sein sonderbares Mal dieMutter zuführt, dann wird er sich wohl mit uns armen Leuten begnügen müssen." , ,

Ein. Mal?" frug von Neuem Georg, der jetzt nicht mehr den mindestenZweifel haben konnte, daß er hier am Ziel sei. -

Ja, eine förmliche Hand auf seiner Brust, daß man jeden Finger sehen kann." »Ludwig trat jetzt eben herein und das Gespräch wurde unterbrochen. S

Man setzte sich zu Tische. Georg stimmte sein hochfahrendes Benehmen sehr herab, 'k

um sich bei dem Schmied recht einzubürgern. Unter anderen Verhältnissen würde er die !

gut und ehrlich gemeinte Einladung des Schmieds höhnisch ausgeschlagen haben, hier I