Nähe gebannt, fühlte sich als besseren Menschen, und suchte mit zartem Taktgefühl all'das frivole Geplauder zu vermeiden, das ihm fast zur zweiten Natur geworden war.
Er scherzte und lachte mit ihr, fand sich mit seiner Gewandtheit in ihr lustiges,tändelndes Wesen, daß sie sich fortwährend mit ihm angeregt und belustigt fühlte, —während das mehr brütende, ernste, fast melancholische Wesen Ludwig's in ihr eine ArtUnbehagen hervorrief, weil der in ihr sprudelnde, pnrpnrrothe Lebenssaft jeden dunklenTropfen von sich wies.
Ludwig's Charakter drückte sie, weil sie sich nach ihm stimmen mußte, während derGeorg's sie weich und dehnbar wie die Luft umgab, daß sie ihn niemals störend fühlte,und so konnte rasch in den beiden sich nähernden Herzen die Flamme ausbrechcn, wozunoch kam, daß der Evenstochter an der Seite dieses vornehmen Mannes ein anderes,glänzenderes Loos winkte, als es in ihre Kinderträume phantastisch verlockend hinein-geragt. Schien es doch, als ob das Glück durch Zuführen dieses Mannes ihr denblühendsten Kranz zu Füßen legen wollte.
Dem stolzen Schmied war das immer mehr hervortretende Werben des hohenFreiers um sein Töchtcrchcn gar nicht unlieb. Er hatte keine Scheu vor einer solch'gewagten Verbindung, der Gedanke hieran schwellte vielmehr die Segel seiner Eitelkeit,daß sich das ganze Kühnlein darunter bog und alle Mitbürger zu überflügeln drohte.Er hatte sich, seines Dünkens, einem solchen Eidam gegenüber nicht zu schämen. Einwohlchrsamcr Rathshcrr der alten betriebsamen Stadt Sprottau , dessen Küche und Kellerreichlich gefüllt, der draußen vor dem Thore die fruchtbarsten Aecker, die fettesten Wiesensein eigen nannte, hatte nicht nöthig, vor einem Edelmann die Flagge zu streichen, undzu alle dem ein ehrsam, wohlanständig Handwerk, — dessen sich schon viele Herren vomAdel nicht geschämt, und das zu dem fleißig und ehrlich Erworbenen noch mehr hinzu-schaffte: war dies nicht genug, die wohlan sehnlichsten Freier für sein einzig Töchterleinherbeizulocken? Und dieser Georg war ganz ein Mann nach seinem Geschmack.
In der That, der verschlagene Hofmann hatte gewußt, des Schmiedes schwacheSeiten zu benutzen, ihm viel erzählt von bunten, gefährlichen Abenteuern aller Art undvon den hohen Ehren, in denen er bei dem Herzog stände, ihm sein wackeres Handwerkgerühmt, das zu ergreifen er nicht wenig Lust habe, wenn er daS Schwert zu führenmüde werden sollte.
Er meinte oft schmeichelnd: „Hinter dem Ritter, der das Schwert führt, kommtder tüchtige Mann, der es gemacht, die Beiden müssen Hand in Hand gehen und garviele Fürsten haben sich schon des Schmiedens beflissen."
Solche Reden thaten dem Schmiede unendlich wohl, weil cr's so selten in seinerStadt gehört, und Alle dort in seinem Schmiedehandwerk nichts Besonderes findenkonnten, und doch war der gute Mann so stolz darauf und ganz glücklich, Jemand zufinden, der seinen höheren Standpunkt zu würdigen wußte.
Oft saß er dann im vertraulichen Gespräch mit seinem treuen, lieben Eheweib, undsie plauderten von dem Glück ihres Kindes. Der Schmied meinte: „'s wäre nun dochZeit, für Ulriken's Ausstattung zu sorgen, denn man wisse nicht, wie sich's schicken könne."
Seine Frau bemerkte: „Aber sie ist ja noch zu jung und unerfahren."
„Hm, bald fünfzehn," — erwiderte der Schmied, „und geht Alles nach meinemWunsch, dann bleibt sie hübsch in unserm Haus und kann noch viel von dir, der gutenWirthin, lernen." ,
Nach dieser Aeußerung konnte seine Frau nur auf Ludwig schließen, denn bis zudem Ritter von Strchlen verstieg sich nicht ihr schlichter Sinn, und sie cntgcgncle:„Das ist doch schön, daß wir immer einen Gedanken haben. Ich wüßte auch nicht, werbesser für sie paßte. Sie sind für einander bestimmt, das kannst du glauben, und daßsie sich lieben, hab' ich ihnen längst angemerkt."