Ausgabe 
29 (24.10.1869) 43
 
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Die ihm drohende Schmach keck und kühn abzuwenden, hatte er Alles daran gesetzt,und es war ihm gelungen, weil es in seiner Natur lag, sich zur äußersten Kraftanstren-gung aufzustacheln, wenn diese keine langdauernde zu werden versprach.

Je schwächer und elender Georg sich gefühlt, je toller war er zugeritten, weil diesdas beste Mittel war, seine Leiden abzukürzen.

Ludwig hatte so genau auf die Zeit nicht geachtet und nur von Sonnenunterganggesprochen, und eine Stunde darauf saß der Erschlagene bereits in der Schmiede undlächelte zu den Scherzen des jungen Mädchens, wie heftig und quälend es auch durchseinen Kopf zuckte.

Er war dann mit Ulriken und der gutmüthigen Hausfrau in die Laube gegangen,hatte dort innerlich frohlockend dem Streite zugehört, und Iriumphirend den Lohn fürfeine übermenschliche Aufregung eingeerntet.

Mit kurzen Worten stellte G.corg das Unsinnige und Abgeschmackte der Anschul-digungen des Findlings in das rechte Licht, doch dessen bedurfte es kaum, der Schmied,außer sich gebracht über das ihm so schurkisch erscheinende Benehmen Ludwigs, wandtesich zu Letzterem mit schneidender Kälte:Du Findling, den wir hier mitleidsvoll auf-genommen, lohnst uns mit solchem Undank und häufst im frechen Uebermuth, vielleichtaus Neid und Eifersucht, die schändlichste Verleumdung über einen Mann. vor dem dudich im Staube winden solltest; weißt du, daß er ein Edler und du nur eine gemeineBrüt hinaus mit dir, einen solchen Lügcngeist duld' ich nicht in meinem Hause!"

Ludwig, obwohl ihm gerade die kecke. Alles so scharf beleuchtende Vcrthcidigungs-Rcde Aufschluß über den möglichen Sachverhalt gegeben, schwieg noch immer, nicht mehraus Bestürzung, sondern aus Stolz, aus jenem Stolz, der im Bewußtsein seines Rechtessich nicht vertheidigt, und eher Alles über sich ergehen läßt, als ein Wort der Aufklärungzu verlieren. Und solche Charaktere ertragen mit geschlossener, kaum zuckender Lippe dieplumpsten Angriffe, weil in ihnen ein reinerer, edlerer Fond ruht, der es sie unter ihrerWürde halten läßt, sich zu rechtfertigen und zu vertheidigen.

Er sah eine mitleidige Thräne über den so unerquicklichen Vorfall in dem Auge dergutmüthigen Hausfrau, auch Ulrike schien bestürzt, und doch wagten Beide nicht, gegenden aufbrausenden Schmied ein Wort der Vermittlung fallen zu lassen. Sie hielten dasBenehmen Ludwigs für einen Ausfluß unglücklicher Eifersucht.

Am andern Morgen schon wanderte Ludwig mit vergiftetem, zermartertem Herzenin die Welt hinaus.

Nur seiner wohlmeinenden Pflegemutter hatte er Lebewohl gesagt mit der Bitte,seiner nicht völlig zu vergessen, verharrte aber auch gegen sie in hartnäckigem Schweigen,und so schied er wehmüthig und ernst von den geliebten Jugendplätzcn, wo er so unschul-dig glücklich gewesen in dem Rufe eines frechen Lügners und Verleumders.

Auch Georg nahm nach einigen Tagen mit dem feierlichen Versprechen baldigerRückkehr, Abschied. Er mußte endlich von seiner Sendung Bericht erstatten.

Es wurde jetzt im Schmiedehause recht still und leer, und damit kamen auch, wenig-stens bei den Frauen, trübe Gedanken über den Verlust des so ehrlichen, treuen Ludwig.

Besonders die Schmiedefrau war untröstlich, sie glaubte, daß ihr Mann aus Ver-schlossenheit und Stolz, statt seine Schuld zu bereuen, lieber den eigenen Sohn in dieWelt hinausgeschlcudcrt.

Vielleicht würde der leichtsinnige Georg nicht wiedergekommen sein, wenn seine Auf-nahme am Hofe Bolcslaus eine freundlichere gewesen wäre.

Silber Boleslaus, ohne lange zu grübeln und an der Wahrheit dieser Bericht-Erstattung zu zweifeln, grollte seinen Acrger über das vergebliche Suchen an dem Botenaus und befahl ihm, sofort das Herzogthum zu verlassen.

Das war ein harter Schlag, der Georg aus all' seinen Himmeln riß! Noch