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war nicht jede Hoffnung verloren — die Croatin, die Alles vermögende, mußte denBefehl des Herzogs rückgängig machen.
Die Croatin schien große Eile zu haben, sie wollte morgen mit Bolcslaus in'sFeld rücken, dennoch hörte sie auf Augenblicke dem Berichte Gcorg's aufmerksam zu undihr Auge ruhte so forschend und durchdringend auf dem Berichterstatter, daß der sonst solügengcwandte Georg kaum'seine Sicherheit behielt.
„Also er schweigt für immer?" — fragte sie zu Ende seiner Erzählung langsamund lauernd.
„Sei ohne Sorge! Es ist gethan!"
„Nun denn," entgegnete die Herzogin mit einer stolzen Handbewegung und demsüßesten Lächeln, „in einigen Tagen erhältst du die 1000 Dukaten, heute habe ich sie nicht."
Georg war verlegen, bestürzt, und stotterte endlich sein bei dem Herzog gehabtesUnglück hervor.
Die Croatin zuckte die Achseln und entgegnete ruhig: „Vor der Hand vermag ichnichts zu thun, laß nur seinen Aerger verdampfen und dann komm wieder!"
Er wollte mehr sagen, sie drehte ihm aber den Rücken und er war entlasten.
Knirschend vor Wuth und Groll, reiste er noch selbigen Tages ab und nach Sprottau zurück. Es war entschieden, er wurde des Schmiedes Eidam.
Ein hübsches Mädchen und Geld und Gut die Hülle und Fülle, das half überjedes ängstliche Anstandnehmen hinweg.
Ulrike wurde in wenigen Wochen die glückliche Frau des Edlen von Strehlcn.
(Fortsetzung folgt.)
Unter Todten.
Der Fremde, der den Hort der Hansa, die alte freie Stadt Bremen , besucht, ver-säumt gewiß nicht, in den durch Hauff berühmt gewordenen Bremer Rathskcller zugehen. — Der Leser gestatte uns, ihn heute gleichfalls in einen „Keller" zu Bremen zuführen; aber nicht an eine Stätte der Lust und des frohen Scherzes, sondern in einenstillen, friedlichen Raum: unter Todte, in den „Bremer Bleikeller".
Der Bleikcller zu Bremen ist eine Merkwürdigkeit, wohl einzig in ihrer Art. Liebendem östlichen Chöre der uralten Domkirche befindet sich eine Krypta, unter dem NamenBleikeller bekannt, weil dort das Blei vom Dache des Doms aufbewahrt, oder, wieandere Angaben besagen, geschmolzen wurde. Der Fußboden dieser Krypta liegt nurwenig tiefer, als die Erdoberfläche; die Luft in ihm ist aber so trocken, daß dort auf-bewahrte Leichen nicht verwesen, sondern in einen mumicnartigcn Zustand ausdörren.
Wann diese Eigenschaft des Bleikcllers entdeckt wurde, ist unbekannt, wie dennspecielle Nachrichten über ihn fehlen. Die älteste, dort befindliche Leiche ist diejenige einesvom Thurme gestürzten Dachdeckers, welcher bei dem Fall sich das Genick gebrochen hat;sie ruht, laut Angabe der Beschließerin des Domes, welche die Fremden führt, über400 Jahre. DicS dürfte zutreffend sein, denn 1446 wurde unter dem ErzbischofGerhard III. das oberste Geschoß des nördlichen Domthurms vollendet. Dabei mag jenerUnglücksfall vorgekommen sein. Die Gesichtszüge dieser, wie aller übrigen Leichen, sindnoch deutlich zu erkennen; man sieht ein von Ensctzen verzerrtes Anlitz, der Mund weitoffen, wie nach Hilfe schreiend.
Außer dieser ruhen noch sieben Leichen im Bremer Bleikeller: ein schwedischerGeneral mit seinem Adjutanten, beide Opfer des dreißigjährigen Krieges, in welchem1614 bekanntlich die Schweden das Herzoglhum Bremen eroberten. Der General siel,wie man noch genau sieht, durch einen Stich in den Hals, während den Adjutanten einSchuß in die rechte Seite hinraffte.
Als durch den wcstphüiischen Frieden das Erzstift Bremen der Krone Schweden als