Ausgabe 
29 (31.10.1869) 44
 
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N,-». 44.

31. Octbr. 1869.

Meinst dn, daß Pflicht zu reden scheut, weil MachtZum Schmeicheln sinkt?Die Ebre fordert Bravheit.

Weuu Könige thöricht werden.

Shakespeare, Lear , Akt l. Scene 1.

Die HandVI.

Ihr müßt' euch fleißen,

Im Fall ihr wollt heißenEin edles Blut,

Von Schwert und EisenIm Felve zu weisenDen kühnen Muth.

Aßmann v. Abschatz.

Boleslaus hatte drei Jahre mit wechselndem Glück gegen den Müusterberger ge«kämpst, ohne ihn völlig besiegen zu können, ihn aber doch endlich so in die Enge getrie-ben, daß der in seinen Geldmitteln erschöpfte Feind keinen Ausweg sah, als den HerzogHeinrich von Glogau um Hilfe anzuflehen, von dem er zu allererst Beistand erwartenkonnte, da er voran setzte, daß Heinrich die seinem Vater entrissenen Lande noch nichtverschmerzt haben würde.

Um seine Bitte recht dringend zu machen, schickte der Müusterberger diesmal, da erselbst an sein bedrängtes Heer gefesselt den eigenen Sohn an den Glvgauer Herzog.

Er hatte schon früher sich an den Herzog Heinrich um Hilfe gewandt, die ihm zwarzugesagt, aber von einer Zeit. zur andern hinausgeschoben worden, jetzt galt kein Säumen,dringender als je erschien die Gefahr.

Der Sohn des Müusterberger war zu jung für eine solche Sendung, er sollte auchnur die Wichtigkeit derselben andeuten, als wirklichen Abgesandten hatte er ihm seinenLiebling, einen jungen Feldhauptmann, mitgegeben, auf den er sein vollstes Vertrauensetzte und von dessen angenehmer Persönlichkeit und einnehmendem, herzgewinnendemWesen er das Gelingen seiner Botschaft mit Sicherheit voraussetzte.

Er war erst nach Ausbruch des Krieges zu dem Müusterberger Herzog und nochdazu als gemeiner Landsknecht gekommen, hatte aber in dem hartnäckigen Kampfe demHerzoge treu und aufopfernd beigestanden und sich durch Muth, Ausdauer und Umsichtrasch bis zu seinem jetzigen Grade aufgeschwungen.

Er war in seinem jugendlichen Feuer, seinem Scharfblick, seinen, trotz der niederenGeburt allgemein anerkannten ritterlichen Tugenden, eine Zierde des Heeres geworden.

Ohne den Ucbermuth deS Emporkömmlings, besaß er doch jenen höher blickendenStolz, der auf erworbenen Lorbeeren nicht auszuruhen vermag, sondern rastlos undentschlossen weiter streben muß.

Wir finden in ihm den so schimpflich aus dem Schmicdchausc gejagten Ludwigwieder. Die angethane Schmach halte tief und lange an seiner Seele gezehrt; er warversucht gewesen, in dem ersten Anfall der heftigsten Erbitterung diesen elenden Burschen,,dem der Teufel selbst bei jenem Vorfall bcigcstanden haben mußte, zu vernichten undauch den Uebrigcn den Schimpf zurückzuzahlen.

Aber bald siegte seine edlere Natur und er sagte tröstend zu sich selber:Die