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Zeit wird aufkläre», wer der Bessere war, denn sie reißt ja jedem Betrüger die Larveab, aber räche» will ich mich doch an ihnen, wenn auch auf andere Ärr, sie sollen sehen,daß ich kein Verleumder war, und daß meine Seele stark genug ist, das zu erringen,was Jenem schon das Glück in die Wiege legte."
Und doch, gerade diese Herde Erfahrung hatte ihn wunderbar verwandelt — denlangsamen, schleichenden Tropfen aus seinem Blut hinausgeworfen und die Fesseln gelöst,die träumerisch seine Seele umsponnen.
Der sonst etwas verschleierte Blick war frei und hell geworden, nnd richtete sich festund unverwandt auf das hohe Ziel.
Die Havd, — die ohne dies kränkende Ercigniß noch lauge spielend gewartet, bisirgend ein reiches, volles Glück an sie herangeschwomnicn, theilte jetzt unermüdlich dieWogen und strebte an's andere Ufer.
Er mußte sein Leben tausendfach einsitzen, mutzte endlich ein Edler werden, wieJener, um an der Stelle, wo man ihn so tief beschimpft, sagen zu können: „Bekennt,daß Ihr Euch getäuscht, daß in mir etwas Besseres lebt, als Ihr je geahnt."
Lächeln wir nicht über diesen Gedanken! Der heitzcstc Sporn unseres Ringens undStrcbens ist so oft, ja fast immer, die winkende Theilnahme und Bewunderung unsererFreunde. Sagen zu können: „Seht! das wurden wir, das erreichten wir, trotz euresbedächtigen Kopfschüttelns," dünkt uns ein Glück, um dessen Erreichung wir alle Kräfteeinsetzen msissen, und sind wir endlich am Ziel, dann hat uns wohl die Zeit gerade diesenGenuß entrückt, und die Freunde, um deren Beifall wir rangen und strebten, sind unsverloren und entfremdet, und das erziehende Schicksal hat unö längst durch eine tiefereLebensanschauung über die Genüsse hinausgehoben, daß wir sie zu unserem Glücke nichtmehr bedürfen.
Der Herzog Heinrich hatte die Gesandtschaft freundlich ausgenommen, und dieöma!allen Ernstes den schnellsten und thatkräftigsten Beistand zugesagt.
Er halte nur auf diesen Augenblick gewartet, Boleslaus sollte sich entkräftigt, auLein Münstcrbcrger die Zähne ausgelassen haben, dann würde ihm der volle, eingetheilteRuhm des Sieges, und --- was noch mehr galt — die ungcthcilte Beute. Der halbvernichtete Münsterberger hatte beim künstigen Frieden auf eine Entschädigung keineAnsprüche zu machen, er mußte noch froh sein, daß ihm Schutz nnd Beistand geworden.And dann — sein Licblingswunsch war es ja stets, Boleslaus zu verjagen und dessenSohn Wenzel zum Fürsten einzusetzen, unter dem Borgeben persönlicher Freundschaft fürdie Vertriebenen, wahrend ihn doch ein ganz anderer Beweggrund leitete.
Ihm galt es nur, die an Boleslaus verlorenen Länder wieder zu gewinnen, nnd,wie er hoffte, diesmal für immer.
In diese Pläne paßte die so augenscheinlich hervortretende Liebe Wenzels zu seinerTochter Hedwig.
Er hatte mit Freuden die früh aufkeimende Neigung desselben zu Hedwig bemerkt,eine Neigung, die sich mit den kommenden Jünglingsjahrcn zur heißesten, glühendstenLiebe gestaltete, und weit entfernt, diese aufsprossende Liebe zu dämpfen, ruhte sein Augemit sichtlichem Wohlgefallen darauf.
Er nannte sie oft scherzend das junge Brautpaar, und ließ Wenzel nicht im Min-desten fühlen, daß er eigentlich nur ein armer, vertriebener Fürstcnsohn; stand es dochÄ seiner Macht, ihm sein Herzogthum zu erobern, das sonst vielleicht für immer verlorenHing, wenn der Herzog eher als die Croatin starb, die dann gewiß die Herrschaft anjich gerissen haben würde.
Glückte Alles, dann sollte der in feinem Ehrgeiz befriedigte, und ihm zu ewigemDanke verpflichtete Wenzel die geliebte Hedwig heimführen, und selbst wenn nicht Dank-barkeit, so mußte diese Heirath ein freundschaftliches Band zwischen den beides Fürsten-häusern herstellen und Wenzel übersehen lassen, daß Heinrich durchaus nicht so uncigen-