Ausgabe 
29 (31.10.1869) 44
 
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hing an ihr mit der Liebe eines Kindes, nnd diese hinwiederum klammerte sich in ihrenlichten Augenblicken mit Innigkeit an das junge Mädchen an.

Margareth zitterte jetzt am ganzen Körper und ihre Augen ruhten, wie das Gescheheneselbst nicht begreifend, auf den Anwesenden,

Der Herzog wollte Margarcth's Arm ergreifen, um sie in Sicherheit zu bringen;sie wehrte ihn aber heftig ab, und indem sie sich an Ludwig anklammerte, rief sie wildverworren aus:

Mein Sohn! Ja, ich habe dich! Ich höre das Klopfen deines Herzens, sowarm so innig ha, wie die Alte winkt dort dort ist er auf demweiten weiten dunklen See, wie ich die Wogen zertheile so nah, so nah, o unend.liches Glück, ich erreiche dich und die tausend Thränen, die langen finstern Nächte sindkeln zu hoher Preis ich habe dich gefunden und lasse dich nimmer los.*

Sie hatte während des Sprechens Ludwig losgelassen, und erst bei den letztenWorten eilte sie von Neuem auf ihn zu und drückte ihn mit fieberhafter Unruhe andie Brust.

(Fortsetzung folgt.)

Die Liebe am Grabe

Am schwarzen GrabeSrandeIn dunklem Trauerkleid

Steht tief in Schmerz versunkenUnd weinend eine Maid.

Ihr Haupt umhüllt der Schleier,Ihr Auge deckt die Nacht:

Wer ist dies Bild des SchmerzcusIn dieser düstern Tracht?

Es ist das Bild der Liebe,

Die heiß am Grabe weint.

Bis daß ein holder KnabeAm Trauerort erscheint.

Das ist des Christen Glaube:Die Fackel in der Hand

Weist er der Maid die WegeIns bcss're Vaterland.

Nun wird ihr Herz erweitert,

Ihr Auge strahlt im Licht;

Doch weint sie fort; es trocknetDaS Licht die Thränen nicht.

Da eilet eine FreundinMitleidig noch herzu,

Sie stillt den Schmerz der Liebe,Gebeut den Thränen Ruh.

DaS ist die süße Hoffnung,

Die tröstend sprint zu ihr:

Die Trennung ist nicht ewig,Wohlan! so folge mir!

Ich führ' dich sicher über,

Wo dein Geliebter weilt,

Dort ist die Nacht zu Ende,

Dort ist der Schmerz geheilt!"

Nun seh' die Lieb' ich wallen,Vom Glaubcnslicht erhellt.Begleitet von der HoffnungNach jener bessern Welt! -

A. Nicdcl.

Der Schlaf ist, wie der Tod, ein großer Gleichmache!," sagte Herr W. . .gähnend, und klappte ein dickes Buch zu, da er sich niederlegen wollte.Goethe war,wenn er schlief, nicht größer, als irgend ein anderer Sterblicher, also bin ich, wenn ichschlafe, eben so groß, wie Goethe ."War Goethe Ihnen, Ihrer Meinung nachwenn er schlief, iu jeder Beziehung gleich?" fragte sein Freund.Ganz gewiß,"erwiderte Herr W^. . .Dann muß Goethe ein schrecklicher Schnarcher gewesen sciu."