Ausgabe 
29 (7.11.1869) 45
 
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Auch Ludwig wurde von der Kundgebung ihres warmen, theilnehmenden, offene»Herzens überrascht und fühlte sich mehr als je zu einer Erscheinung hingezogen, die beioll' ihrem brausend-männlichen Geiste und aufschäumenden Wesen immer noch ein Frauen-'hrrz bewahrt, und so warm und liebevoll für eine Unglückliche zu sorgen verstand.

Dieses gegenseitige Sichbesserfinden mußte auch die Herzen näher zu einander führen,nur fand unter dem Geräusch der Kampfvorbereitungen der neckische Gott nicht Zeit,die Fackel völlig anzuzünden, denn bald darauf zog der Herzog Heinrich zum blutigenStrauß aus den Mauern Glogaus, um unerwartet in die Lande Boleslaus einzubrechen«nd seine strdnge Forderung: ehrenvoller Friede mit dem Münsterberger, Abtretungdes HcrzogthumS an Wenzel, Vertreibung der Croatin und Ausnahme Margarethean Boleslaus zu stellen.

Hedwig begleitete ihren Vater, wie dies Alle ganz natürlich fanden.

Auch Ludwig war in des Herzogs Gefolge, da er auf Bitten desselben völlig inseine Dienste getreten war, gewiß nur, um in der Nähe Hcdwigs bleiben zu können,während er sich selbst überredete, daß es nur des größeren Wirkungskreises wegen, dersich ihm hier darbiete, geschehe.

Wenzel machte sich kein Gewisien, gegen den eigenen Vater in'S Feld zu rücken.Er hat's an mir verschuldet aber nein, es gilt nicht ihm, nur der Croatin," tröstete« sich selbst;nnd nur die arme Mutter will ich räche». Wahrt EuchI"

VII.

Nichts ist süßers, als zwei Treue,

Wenn sie eines worden sein.

Dieß ist's, daß ich mich erfreueUnd sie gibt ihrJa" auch d'reiu.

Mir ist wohl bei höchstem Schmerze,

Denn ich weiß ein treues Herze.

Paul Flemmiug.

BoleSlauS war von diesem gewaltigen Flankenangriff überrascht worden, und inmehreren Feldschlachten geschlagen, mußte er sich mit den Trümmern seines Heeres aufBrieg zurückziehen, das jetzt Heinrich in Gemeinschaft mit dem Münsterberger zubelagern begann.

Obgleich die Stadt von der Willkühr des Herzogs oft heimgesucht war, leistete sieihm doch den größten und aufopferndsten Beistand, und nur ihrer wackeren Haltung,ihrem Heldenmuthe hatte er die so lange und kräftige Abwehr des Feindes zu danken.

Durch häufige kühne Ausfälle vereitelten die Belagerten oft in wenigen StundenWochen lange Bemühungen der Belagerer.

Einer dieser Ausfälle hätte beinahe unglücklich für die Belagerer enden können.

Drei tollkühne Bursche, von einem Ueberläufer geführt, den die Croatin durchschweres Geld gewonnen, hatten sich bis zum Zelt des Herzogs geschlichen, in dem dieserallein mit seiner Tochter schlief.

Die Wache wurde geräuschlos überwältigt und die Mörder schlichen in das Zelt,wo sogleich zwei an das Lager stürzten; dieser aber, durch das Geräusch geweckt, hatteschnell nach seinem Schwerte gegriffen, und ehe jene zum Schlage ausholen konnten,stand der Herzog schon kampfbereit ihnen gegenüber und die Klingen durchkreuzten sich.

Unterdeß war der dritte Mörder an Hedwig's Lager geschlichen, welche fest undglücklich schlief; ein süßer Traum schien ihre Lippen zu küssen, denn sie lächelte mild undfreundlich, wie man's im Leben selten an ihr gewohnt. Ungerührt von dem entzückendenBilde friedlicher Ruhe, welches sich den mordgierigen Blicken des Gesellen darbot, erhobdieser den bewaffneten Arm, das Schwert zuckte über dem schönen Opfer, da durch-schnitt in demselben Moment eine scharfe Klinge den gehobenen Arm, daß das Schwertklirrend zu Boden fiel.