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Hedwig erwachte, übersah die Scene und blickte mit seelenvollem Dankgefühl i» dieAngen Ludwig's. Denn er war cS, — der noch im rechten Augenblick als rettenderEngel erschienen.
Ihn hatte der Schlaf geflohen, und von einer unerklärlichen Unruhe getrieben, warer beim herzoglichen Zelte auf- und abgewandert, um in der Nähe Hedwig's weilen undau sie denken zu können.
So hatte er die verdächtigen Gestalten heranschleichen gesehen, und stand nun mitBlitzesschnelle im rechten Augenblicke an dem Orte der Gefahr.
Noch war indeß zum Austausch von Worten zwischen den Liebenden keine Zeit.
Erst eilte Ludwig dem Herzog zu Hilfe, der sich bis dahin wacker gegen seineAngreifer vertheidigt hatte.
Mit Ludwig's Erscheinen sank den Angreifern der Muth, sie wollten sich ergebe»,aber schon drangen die von dem Waffcnlärm herbeigezogenen Leute des Herzogs in dasZelt und hieben in Erbitterung die Mörder erbarmungslos nieder.
Der Herzog gab Ludwig die Versicherung, ihm diesen Liebesdienst in dankbarerErinnerung zu bewahren und jede Bitte zu erfüllen, die er in Zukunft an ihn stellenwürde. In die Herzen der beiden Anderen schlug dieß Ereigniß wie ein zündender Blitzund die Flammengluth der Liebe lohte in voller Leidenschaft in ihnen auf.
In den seligen Stunden, die sie von nun an verlebten, preßte Hedwig den Geliebtenoft stürmisch an die Brust, als wollte sie ihn wahren und schützen vor aller Sorge, allerNoth und muthig durch alle Hindernisse zum schönen, großen Ziele tragen.
Der sonst so besonnene Ludwig wurde mit in diesen Gcfühlswirbel hineingcrissen.Sein so lange verschlossen und ruhig gehaltenes Herz war plötzlich aufgebrochen und diedarin heimlich schlummernde phantastische Gluth verdunkelte sein sonst so klares Denken.
Er halte ihr offen und ehrlich mitgetheilt, daß auf ihm «der Fluch einer dunkel»Geburt laste, und daß er nur ein Findling und nie wagen dürfte, nach ihr die Hani»auszustrecken. Statt ihn nach diesem Bekenntniß zu fliehen, schloß sie ihn um so innigeran die Brust.
Das Ideal ihrer Träume war ja gefunden; so arm, so verachtet und doch so edel,hocherhabcn sollte Derjenige sein, dem sie ihre Liebe schenkte, und sie fühlte die Kraft,um seinetwillen einer ganzen Welt zu trotzen — und zu zeigen, daß ihre Liebe stärkerals der Tod.
Sie hatte Muth genug, dem Sturme zu trotzen und schaute sorglos in den blauen-den Himmel, obwohl sich daran schon ein leichtes Wölkchen zeigte, eines von denen, dieso unscheinbar und luftig, die finstersten Wetter in ihrem Schooße tragen.
Der Herzog bemerkte längere Zeit nichts von dem so innigen und unauflösliche»Anschluß der beiden Herzen und hielt den wackern Hauptmann von Hedwig durch denGedanken, daß sie eines Herzogs Tochter, — entfernt genug, als daß nicht gerade derUmgang mit diesem der unschädlichste und einflußloseste von Allen. Als Wenzel, dermit grollend unmuthiger Laune die Liebenden längst durchschaut, im eifersüchtigen Miß-muth gegen den Herzog Worte von einem Liebesvcrhältniß fallen gelassen, hatte er zwarbefremdet aufgeblickt, dann aber gleich geantwortet:' „Pah — sie ist meine Tochter undstolz wie eine Königin!"
Auf Wenzel machte das Gewahrwerden dieser heimlichen Liebe einen vernichtendenEindruck. Er liebte Hedwig, und jetzt, da sie sich von ihm gewandt, mit um so hef-tigerer, an Wahnsinn grenzender Gluth.
Jede kleine Gunstbezeugung, die früher ihm zu Theil geworden, und jetzt au Ludwigverschwendet wurde, schnitt ihm wie ein Dolchstich in's Herz.
Er hätte laut aufschreien und seinen glücklichen Nebenbuhler ermorden mögen. —Dann wieder tröstete er sich, daß es nur ein flüchtiges Spiel sei, welches Hedwig mit