Ausgabe 
29 (7.11.1869) 45
 
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So rechnete er und sah daher ruhig den Vorbereitungen deS kecken Abenteurers zu."

Ludwig fühlte, als er von Hedwig die Bedingung des Herzogs hörte, daß mau ihnin den Tod schicken wolle, und doch war's ihm ein eigenes Wohlbehagen.

Das Leben ohne Hedwig hatte für ihn ohnehin keinen Werth; warum es nicht weg-werfen, wenn er in diesem Augenblick zugleich nach dem Höchsten streben konnte?

Mit voller jugendlicher Begeisterung versprach er Hedwig, sein Wort zu lösen.

Er bat sich nur fünfzig Mann Begleitung aus, das Wagniß zu bestehen, dochunter dem Beding, daß der Herzog am Tage vorher einen allgemeinen Sturm versuche»und so die Belagerten ermüden solle, damit ein nächtlicher Ueberfall mit so wenig Leutennicht gerade aller Aussicht und jedes Erfolges baar sei.

Der Herzog mußte nach einigem Zögern darein willigen und gewahrte wohl, daßsei» im eigenen Lager aufgetauchter Feind mit der größten Umsicht zu Werke gehe.

Der Angriff des Herzogs war gemacht und wie immer zurückgeschlagen worden.

Ludwig rüstete sich jetzt zu seinem kühnen Handstreich. Er wollte von HedwigAbschied nehmen, da trat sie ihm in voller Rüstung entgegen.

Wo willst du hin?" fragte Ludwig erstaunt.

Zu dir, Ludwig, um an deiner Seite zu kämpfen!"

Nein, Hedwig, das darfst du nicht, um unserer Liebe willen, das darfst du nicht;wenn ich fallen soll, dann laß es mich in dem beglückenden Gefühle, allein unter-zugehen."

Und was wäre mir das Leben ohne dich? Ich muß dich begleiten, dich schützen,wir licgt's so kalt, so ahnungsschwer auf dem Herzen!"

Und willst du deinen Vater rasend machen?" entgegnete Ludwig;glaubst dn,wenn ich an's Ziel gelange, er würde mir es je verzeihen, dich schonungslos dieserTodesgefahr ausgesetzt zu haben?"

O, laß sie hasten und verfolgen, wenn wir uns nur recht innig lieben, dann istAlles gut!" entgeguete Hedwig warm und begeistert.

Aber meine eigene Ehre, Hedwig! fordert, daß ich allein den Strauß auskämpfe,"bemerkte Ludwig entschieden.Willst du mich zum Spott des ganzen Heeres machest?Bleibe hier, Geliebte, wenn ich glücklich wiederkehre, dann bin ich deiner ganz würdig."

Sie kämfte lange mit sich selbst, aber die Liebe brach zum ersten Male ihreneisernen Willen.

Ihn noch einmal stürmisch an die Brust drückend, rief sie innig aus:Geleite dichGott!" und schritt dann fest und entschlossen ihrem Zelte zu.

Eine sternenlose, trübe Nacht begünstigte das Wagniß, und an einer von demFeinde für unzugänglich gehaltenen und darum am wenigsten bewachten Stelle erklommdie kecke Schaar, Ludwig an der Spitze, die Mauer.

Lautlos sank der dort halb im Schlafe stehende Wachtposten, von dem Schwerte deSFührers durchbohrt, zusammen. Vorsichtig schlich man nun hinunter in die Stadt.

Nichts regte sich in den öden, finstern Straßen. Ein von Ludwig mitgenommenerUeberläufer zeigte den Weg zum Schlosse.

Plötzlich hörten sie an dem oberen Ende der Straße Geräusch; ein Zug mit Fackelnkam von dort herab.

Zurück in die Seitengasse!" befahl Ludwig leise; aber ehe noch dieses Manövervöllig ausgeführt werden konnte, drang der ankommende Trupp auf sie ein.

Es war die Croatin, die mit noch größerer Umsicht als der Herzog die Belagerungleitete, und rastlos überall erschien und sich zeigte, um anzuspornen und die gesunkenenKräfte zu beleben.

Nicht allein, daß ihr feuriges Blut sie zu uncrmüdetcr Thätigkeit antrieb, mochteauch die Furcht vor dem Schicksal, das ihrer wartete, wenn die Stadt in des Feindes