Ausgabe 
29 (7.11.1869) 45
 
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Hände fiel, fie zu verdoppelten Anstrengungen drängen. War doch der junge Löwe imLager, der das Unglück seiner Mutter zu rächen hatte!

Die Croatin hatte auch heute wieder, von ihrer gewöhnlichen Unruhe getrieben, miteinem kleinen Gefolge die Stadt durchstrichen und langte jetzt zu Ludwig's Verderben au.

Dieser stürmte sogleich, da ein Ausweichen nicht möglich war, auf die Kommendenein, um sie zu überraschen, und da sie in der Minderzahl, rasch unschädlich zu machen.

Die Croatin hatte kaum diese Ueberlcgenheit der Angreifer bemerkt, als sie ver-mittelst einer Signalpfeife ein schrilles Allarmzeichen ertönen ließ, worauf sich die StraßeAugenblicks zu beleben begann.

AuS allen Thüren stürzten Bewaffnete, so daß sich die kleine Schaar bald voll-ständig umringt und verloren sah.

Ludwig selbst kämpfte in den vordersten Reihen, er suchte, keinen Ausweg der Rettungsehend, den Tod und blutete schon aus mehreren Wunden, da stürzte, von dem so hart-näckigen Widerstände desselben gereizt, die Croatin mit geschwungener Waffe auf ihn einund rief:Glb dich gefangen, Ihr seid doch Alle verloren!"

Einem Weibe nicht!" cntgegncte Ludwig, und statt fernerer Antwort sauste seinSchwert hernieder.

Doch die Croatin war dem Streiche ausgewichcn, setzte dem von seinem Blutverlusteerschöpften Ludwig hart zu und rief lachend:Gerade dich, Trotzkopf, will ich lebendighaben; herbei, fangt ihn!"

Auf diesen Ruf stürzten schon einige Feinde von hinten auf ihn zu, wanden demhalb Ohnmächtigen das Schwert aus den Händen und rissen ihn nieder.

Die Croatin nahm einem Bürger die Fackel aus den Händen und leuchtete damitin's Gesicht ihres so entschlossenen Feindes.

Ah, ein hübscher Bursche, gewiß der Anführer der tollen Schaar, tragt mir ihnaufs Schloß!" herrschte sie den Umstehenden zu, und ihr Blick ruhte wohlgefällig aufder kräftigen, schönen Jünglingsgestalt.

In Ludwig's Brust wogte ein einziger, dumpfer Schmerzensschrei:gefangen!"In den Tod zu gehen, das hatte er gewollt, das war schon und muthig, aber jetzt inden Händen eines elenden Weibes!

In seinem Herzen brannte eine Fackel der Verzweiflung, düsterer, verheerender, alsseine Träger in den Händen hielten. Er schloß endlich die Augen und eine tiefe Ohn-macht legte sich bleischwer auf seine zerquälte Brust.

(Fortsetzung folgt.)

Der Arme.

Der Arme hüte ja sich, wie ein Kranker,

Nichts über sein Vermögen erst zu wollen!

Denn dann empfindet er erst seine Schwäche,

Die Kraft genug ihm war, so lang er ruhteAuf seinem Krankenbett: das Nächste sichHerbeizulangcn; dann empfindet erErst recht, was Alles ihm gebricht, nnd trübUnd schwer versinkt er in sein tiefes Leid.

Darum, geduldig iu dem Kreis verharren,

Den uns ein Gott gezogen, gibt uns StärkeDes Stärksten, Freude selbst des Freudigsten.

Leop. Schcfer.