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Augsburger
14. Novbr. 1869.
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Nicht alle fsluth im wüsten Meere kannDen Balsam vom gesalbten König waschen;
Der Odem ird'jcher Männer kann des HerrnGeweihten Stellvertreter nicht entsetzen.
Die HandVIII.
Lieb ist, der nichts gleich zu schätzen;Wenn man alles Gold der WeltGleich wellt' auf die Waage setzen,
Lied ist, die den Ausschlog bäll.
Lieb ist trotz der SilberbaufenNur durch Liebe zu erkaufen.
G r y p h i u s.
Hedwig hatte in äußerster Spannung die Nacht verlebt, ihr Auge war starr undunbeweglich auf einen Punkt des Zeltes gerichtet, während die schrecklichsten, blutigstenBilder an ihr vorübcrschwebten.
Als am Morgen das dunkle Gerücht durch's Lager lief, daß die kleine Schaarvollständig aufgerieben worden, — bemächtigte sich Verzweiflung ihrer Seele, aber keinKlagelaut drang über ihre bleichen Lippen.
Der Herzog fühlte zwar einige Gcwisiensskrupel, Ludwig in den Tod geschickt zuhaben, aber der Gedanke: „es mußte sein," beruhigte ihn bald und er war zuletzt froh,daß die Sache einen solchen Ausgang genommen.
Gegen Hedwig wagte er nicht eine einzige tröstende Aeußerung, er kannte ihr stolzesHerz, das jeden Zuspruch auf das Entschiedenste zurückgewiesen haben würde.
Auch Wenzel war von dieser Nachricht freudig berührt, mit dem Untergänge seinesNebenbuhlers tauchten alle seine Hoffnungsträume in blühender Schönheit wieder auf.
Er wußte, wie nahe er Hedwig's Herzen stand; hatten sie doch ihre Jugend mit-einander verspielt und verträumt und nur das Dazwischentreten Ludwig s sie entfremdet.Jedoch hielt er sich für heute, nur eine freundlich-herzliche Theilnahme zeigend, — ingemessener Entfernung, weil er Scharfsinn genug besaß, ihrem verwundeten Herzen nichtmit solchen Hoffnungsträumcn zu nahen.
Doch schon am andern Morgen brachten Spione die Nachricht, Ludwig sei nichttodt, sondern nur gefangen.
„Gesängen!" mit diesen Worten zuckten wunderbare Gedanken durch Hedwig's Brust.Jetzt war ja nicht Alles verloren, eine kühne That,- und er konnte, er mußte gerettetwerden! —
Mit glühender Begeisterung spann sie diese Idee weiter aus, die so ganz ihremthatenlustigcn Herzen entsprach.
Sie entwarf fortwährend Pläne, sah aber wohl ein, daß es durchaus unmöglichwäre, dieß kühne Vorhaben allein auszuführen!
Sie sann darüber nach, wem sie sich anvertrauen könne und dachte an Wenzel; erwar der Einzige, durch den das Wagniß gelingen konnte, da er ja von seiner Jugendher die Stadt und das Schloß kennen mußte, und ihm noch sein alter Diener zurDerfügnng stand.