Ausgabe 
29 (14.11.1869) 46
 
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feinem Hierverweilen war'S ihm klar, daß der Elende an den armen Schmiedeleutentreulos gehandelt, wie er'S vorausgesehen.

Und in der That, wie hätte Georg's unruhiger, verworrener Kopf in der stillenSchmiede ausharren können?

Nachdem er ein gut Stück Geld des Schwiegervaters todt geschlagen, war er lustigvon danncn und zu seinem alten Herrn gezogen, wo er diesmal freundlicher empfangenwurde, denn in dieser bedrängten Zeit war jede helfende Hand zu schätzen und darumwurde das Vergangene gern vergessen.

Er war jetzt Hausverwalter des Herzogs und hatte nebenbei die Kerker zubeaufsichtigen.

So sollte der Zufall die beiden Gegner auf eine sonderbare Art zusammenführen,und noch mehr zum unbeschreiblichen Schreck des Gefangenaufsehers, als des Gefangenenselbst, denn nach dem Zittern Georg's wäre man zweifelhaft geworden, welcher von Beidendas Schicksal des Andern in Händen hatte.

Wie nahe lag für den Ersteren die Gefahr der kleinste Zufall konnte eine Ent-deckung herbeiführen, Ludwig in die Hände der Croatin oder des Herzogs liefern, unddann war er unrettbar verloren!

Er kannte die Croatin! Ludwig mußte so rasch wie möglich bei Seite geschafftwerden ein Mord?! er schauderte davor zurück,ich tauge dazu nichts,"sagte er sich selbst,und dann, Ludwig mißtraut mir, er wird gegen einen zweitenAngriff auf seiner Hut sein und ihn mit Anstrengung aller Kräfte abwehren."

Pah, was quäle ich mich ich flüchte mit ihm, dann sind wir Beide gesichert,dieß ewige Eingeschlossensein in den engen Mauern das Hungern und Darben habeich ohnehin herzlich satt, und bring' ich den kecken Burschen mit, dann empfängt maumich draußen mit offenen Armen."

Er war mit sich im Reinen, und Ludwig mit heuchlerisch-freundlicher Miene dieHand reichend, sagte er:Verzeih' mir Alles, was ich dir angethan, ich habe es nurzu bitter bereut und das Gewissen hat mir nirgends Ruhe gelassen."

Ludwig war erstaunt, den früher so kecken, trotzigen Burschen mild und versöhnlichzu finden, er konnte an die Aufrichtigkeit einer solchen Gesinnung noch nicht glauben,und fragte daher ausweichend nach den Schmicdeleutcn.

Der schlaue Patron gewahrte das Mißtrauen seines Gefangenen und gab zurAntwort, daß er von seinem Herzog zurückgerufen worden und nie mehr etwas über dieLeute erfahren habe.

Ich habe die Früchte meines Treibens nicht genossen," fügte er ernst und reuevollhinzu;eine schwere Krankheit warf mich aus's Krankenlager und die langen, einsamqualvollen Nächte brachten mich zur Erkenntniß meiner That. Kannst du mir nichtverzeihen? "

Die Worte wurden so warm und herzlich gesprochen, daß Ludwig, in dessen Seelekein Arg, an der Wahrheit derselben nicht mehr zu zweifeln vermochte.

Er entgegnete daher:Mich frcut's, wenn du mir Gerechtigkeit widerfahren läßt.Ich hätte nimmer gedacht, daß unser Wiedersehen ein so friedliches werden könnte."

Ich fühle nur zu schmerzlich die große Schuld gegen dich, aber vielleicht vermagich sie jetzt abzutragen, indem ich dir die Freiheit zu verschaffen suche."

Die Freiheit?" fragte der Gefangene vor Freude aufjauchzend;das wolltest du?Mein früherer Todfeind! Nein, nein, es ist nicht möglich!"

Und doch ist es wahr, ich schwöre dir, deine Rettung ist mir heiliger Ernst!Gedulde dich noch wenige Tage, vielleicht Stunden, dann ist Alles zur Flucht vorbereitetund du bist frei! Doch für jetzt leb' wohl!"

Er drückte dem Gefangenen freundlich die Hand, die dieser herzlich schüttelte.

Hätte Ludwig in das Herz des Fortgebenden sehen können, er würde um ein groß