Ausgabe 
29 (14.11.1869) 46
 
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wird die Welt ferner einsehen, daß die Orden nicht zum Faulenzen, zum bequemen Lebenund Sündigen sich konstituiren, sondern zur Selbstaufopferung, zum Heile des Nächsten.Kommt Noth, Typhus , Krankheit, Krieg, da sind die Ordensleute gar liebe Leute, kaumist die Noth geschwunden, so wirft man Steine auf die Wohlthäter der Menschheit.

* (An Bord eines Leuchtschiffes.) Dickcn's Wochenschrift,VII iliv

Vonr Ikonncll'' enthält folgenden Bericht über das Leben an Bord eines Leuchtschiffes rDas Geschäft der Bemannung eines Leuchtschiffes besteht darin, gute Leuchtfeuer zu unter-halten, das Ankcrkabel, so oft als erforderlich, vermittelst eines Krahnes ein- und auszn-winden; wenn ein Schiff in Gefahr ist, Warnsignale abzubrennen, und Unglückssignale,wenn Hülse von der Küste aus nöthig wird, mit einem Worte, den vorbeifahrendenSchiffen sich so dienstbar wie möglich zu machen. Die gesammte Bemannung besteht auseilf Personen: einem Capitain, einem Steuermann, drei Lampenanzündern und sechs

Matrosen; von letzteren sind aber immer vier Mann abwechselnd an der Küste, so daßnur sieben permanent an Bord des Schiffes bleiben; der Capitain und der Steuermannsind altcrnirend einen Monat auf dem Wasser und einen an der Küste; der Nest derBemannung bleibt abwechselnd zwei Monate zur See und einen Monat am Lande.Anfangs jeden Monats fahren die Dampfer des Trinity - Amtes mit recht verdrießlichaussehenden Mannschaften aus, die ihren zweimonatlichen Sccdicnst antreten, und kehrenmit einer lustigen Schaar von Leuten zurück, welche ihren Küstenmonat hat. Letzterekommen öfters mit Spielsachcn, Schuhwerk u. s. w. beladen zurück, welche Artikel sie

während ihrer müßigen Zeit an Bord des Leuchtschiffs angefertigt und nun an der Küste

absetzen. Es ist kein Spaß, sich an Bord eines Leuchtschiffs während stürmischenWetters zu befinden. Hier sei ein trauriger Vorfall wieder erzählt, der vor einigenJahren sich ereignete. Zwei Matrosen des Leuchtschiffes in der Morecambebucht hatteneinst in einer fürchterlichen Nacht die Wache; Einer war auf einen Augenblick nach derCajütc hinuntergegangen, als er plötzlich den Stoß einer furchtbaren Mcercswoge gegendas Schiff verspürte. Er eilte auf das Deck zurück, fand aber seinen Kameraden nichtvor; zweifelsohne hatte ihn die wüthende See gepackt und über Bord geschleudert.Eine neue mächtige Woge ergoß sich jetzt über das Schiff und dieses Mal führte sieauch den zweiten Matrosen hinweg in die schäumende Brandung. Der wachthabendeOffizier, welcher während eines Sturmes häufig auf das Deck gehen muß, um nach demRechten zu sehen, vermißte auf seiner Roudc die beiden wachthabenden Leute. Ein Blickauf das tobende Wetter sagte ihm Alles, ruhig übernahm er selbst die Wache, nachdemer vorher die Vorsicht gebraucht, sich fest an den Mastbaum zu binden. Zahllose großeWogen überschütteten das Deck, aber er harrte standhaft auf seinem nassen Posten aus.Inzwischen brannte das Feuer hell und klar, und trotz der Wuth des Sturmes flackertees über die empörten Gewässer, somit seinen wohlthätigen Zweck erfüllend.

(Die sogenannten wilden Iren.) Ein Berichterstatter desEcho"schildert die Zustände im Westen Irlands bei den sogenanntenwilden Iren" folgender-maßen:Ich werde nie die erste Hütte vergessen, in die ich eintrat. Zch hatte beab-sichtigt, einige Wochen ausschließlich unter den irischen Armen zu verbringen, indem ichzu Fuß wandern und auf dem Wege über Nacht in solchen Kotten einkehren wollte.Sobald ich meinen Kopf in eine derselben streckte, ließ ich diesen Gedanken fahren. Ächbin nicht zimpferlich in den kleinen Dingen des täglichen Lebens, aber ich möchte dochnicht meine Feieuage in einer solchen Wohnung und mit der dort üblichen Nahrung zu-bringen. Hören Sw nur! Auf der rechten Seite in der Hütte war ein Haufen Torfaufgeschichtet, auf der linken ein Misthaufen. Tiefe Drecklachen bildeten den größerenTheil des Bodens; da und dort war ein großer Stein gelegt, damit man darüberhinwegschreitcn könne. Eine niedrige Thür vollendete den schönen Anblick. Eine dünne