368
blaue Wolke von Tonkunst suchte aus diesem schmutzigen Gefängnisse so schnell alsmöglich zu entkommen. Keine Fenster! Alles ist daher anfänglich dem Auge dunkel.Die Finsterniß löst sich bei näherer Besichtigung in Koth, Dung, ein Schwein, eineHenne mit einer Brüt von Küchlein, ein molkenbcrcitendes weibliches Wesen, ein anderes,das langen Wegs unter einem Hausen Kartoffel liegt und aus denselben die größerenfür das Mittagsmahl aussucht; drei kleine Kinder, von denen jedes nur einen Unterrockanhat und im Koth und Mist sitzt, und ein Paar Stühle und eine Truhe auf. Nochmuß ein unbeschreiblicher großer Bündel erwähnt werden, der in einer Ecke liegt und andem sich das Schwein reibt — das ist das Familicnbett! Hier im Dreck und Mist,unter dem niedrigen, schwarz-geräucherten Dache, in dieser gräulichen Höhle sind in derDunkelheit Vater, Mutter, sechs Söhne und Töchter, von denen drei selbst Eltern seinkönnten, zusammengedrängt, schlafen Alle bei einander und bewahren ihre Seele!" —Und doch geben diese Bei icht - Erstatter den Iren das Zeugniß, daß sie bei aller Ver-wahrlosung und Qucrköpsigkeit an Sittlichkeit im Allgemeinen höher stehen, —- als dasenglische Volk und die übrigen Völker Europa's überhaupt, daß gemeine Verbrechen höchstselten sind und der einzige dunkle Punkt in dieser Beziehung die agrarische Mordthat ist,an welcher freilich fast die gesammte irische Nation sich in größerem oder geringeremMaße moralisch mitbetheiligt. Die Sittlichkeit der Frauen und Mädchen namentlichheben die Berichte einstimmig hervor. Bei den oben geschilderten häuslichen Zuständenerregt diese Reinheit des Lebens immer wieder und wieder die Verwunderung der Rei-senden und der den Verhältnissen des Landes nachforschenden Correspondenten.
(Eine Fabel ) Bor Zeiten gab es auch bei uns im Vayerulande Wölfe. In solcherSchreckenszeit hielt der fromme Schäfer Albert mit seinem Sohne German auf dem Felde,das jetzt noch das Feld zum guten Hirten sich nennt, die Nachtwache bei einem Theile seinerHeerde. Es war schon den ganzen, späten Herbsttag über nicht warm gewesen; doch die Nacht-luft umwehte von Stunde zu Stunde kälter die mit Baumrinden nur dürftig bedeckte undbeschirmte Feldhütte, darin Vater und Sohn schweigend saßen. Der kleine German, den essowohl zu schläfern als auch zu frieren anfing, unterbrach die nächtliche Stille, indem eranhub, also zu reden: „Mein Vater! Wie. wenn jetzt auf einmal mehrere Wölfe herbeikämen-sich Schafe zu holen, wäre es dann nicht wohl gethan, ihnen gutwillig alle Schafe da zu über-lassen, in Erwartung, daß sie, weil vollkommen gesättigct durch Schafskeisch und Blut, dannauch wie unsere übrigen Lämmer und Schafe alle saust und friedlich werden, und auch ihreJungen dazu kommen, künftig ihrem Beispiele zu folgen." Vater Albert schüttelte densouuenbrauuen Kopf und sagte mit ruhigem Ernste zum kleinen German:
„O hüte Sohn dich zu vergessen:
Der Appetit kommt mit dem Essen. —
Erwarte nie vom Uebermaß,
Daß Isegrim ^um Schafe werde;
Was Wolf bleibt Wolf auch nach dem FraßDer allergrößten Wollenheeroe."
So blieb' auch Preußen doch noch Preußen,
Wenn nach Bavarien's Verspeisen, Germanien es ließ' sich heißen.
(Urtheil einer Frau über die Frauen.) Als Lady Montague gefragtwurde, ob sie es vorziehen würde, ein Mann zu sein, antwortete sie: »Nein, ich binsehr zufrieden, iaß ich eine Frau bin, wenn ich bedenke, daß ich der Gefahr nicht aus-gesetzt bin, eine zu nehmen."
Druck, Verlag und Redaction des Literarischen Instituts von l)r. M. Huttler.