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Phiole das Feuer vom Himmel holte und seiner aus Thon geformten Mcnschenfigur den,Aethcr vor die Nase hielt, habe das menschliche Individuum, dem der geistige Aetherin's Gehirn gestiegen, geniest, und Prometheus, darob entzückt, ihm ein „Wohlbekomm's!" zugerufen.
Auch schon als Anzeichen „bevorstehenden Glückes" finden wir das Niesen in denSchriften der Alten verzeichnet. So z. B. in folgender Episode:
Als Penelope, die schöne und tugendhafte Gemahlin des Odysscus, während dessenlanger Abwesenheit standhaft und listig der sie umdrängenden Freier sich erwehrte, undzu den Göttern um Rückkehr des Gatten betete, nieste ihr Sohn Telemach so stark, daßdas Dach des Palastes erbebte, — woraus die Mutter schloß, daß ihr Gebet erfülltwerden würde.
Der als Feldherr wie als Gcschichtsschreiber gleichberühmte Grieche Lenophon, einerder treucsten Schüler des Sokratcs, hielt eine Rede an die zehntausend Mann, die erbekanntlich zum allgemeinen Erstaunen aus der unglaublichen Schlacht bei Kunaxa nachGriechenland zurückbrachte. In dieser Ansprache schilderte er die große Schwierigkeit desRückzuges, wies aber gleichzeitig nach, daß es keinen anderen Weg der Rettung gebe.Da huben Mehrere an, ihre Bedenken laut werden zu lassen, aber — da nieste einSoldat — und dieser geringfügige Zufall ward vom gesammten Heere als Wink derGötter aufgefaßt, und ohne Widerspruch folgten die Zehntausend dem Einen zum Rück-zug in's Vaterland.
Heut zu Tage Pflegt bloß Einer dem Andern beim Niesen „Wohl bekomm's!" zuwünschen. Bei den Alten scheint es Personen gegeben zu haben, die sich diese Höflichkeitselbst erwiesen. Marcus Aemilius Martialis, — ein römischer Epigrammen-Dichter —(s- 100 n. Chr.) erzählt von einem gewissen Proklus, daß von seiner Nase nach denOhren eine so große Entfernung gewesen sei, daß sich der Arme nicht hätte niesen hörenund somit den üblichen Wunsch, sich selbst zu ehren, nicht hätte äußern können.
Von den Peruanern berichtet man, daß, wenn ihr Häuptling nieste, alle Indianerdurch laute Signale von dem glücklichen Ereigniß in Kenntniß gesetzt wurden, damit sieein „Wohl bekomm's ihm!" beten konnten.
Der französische Schriftsteller Claude Adricn Helvctius (ft 1771) erzählt: Wennder König von Monomotopa (ein Gebirgßland im südlichen Ostafrika ) niest, so sind alleHofleute Auslands wegen genöthigt, ebenfalls zu niesen, und indem so das Genicse sichvom Hof auf die Stadt, und von der Stadt in die Umgegend weiter Pflanzt, so scheintes, als habe das ganze Reich den Schnupfen.
Die bekannte, namentlich in England verbreitete Rcligionssektc der Quäcker, ebensowie die Wiedertäufer (Anabaptisten) haben den nach dem Niesen üblichen frommen Wunschunter sich abgeschafft.
Eine Zigeunerin gab ihrem Kinde eine Schale und hefahl ihm, Essig zu holen.Bevor aber das Kind fortging, wurde es von der Mutter geprügelt. Ein Fremder,der vorüber ging, fragte, warum die Kleine geschlagen werde? „Damit sie die Schalenicht zerbricht," war die Antwort. — „Ich meine," versetzte der Fremde, „dazu hätte cSnoch Zeit, wenn sie die Schale zerbrochen hat." — „O nein," erwiderte die Mutter,„dann wär' es schon zu spät."
(Zur Geschichte der Druckfehler.) Ein junger Mann suchte seine Ge-liebte in einem veröffentlichten Gedichte zu verherrlichen; dasselbe begann:
„Du meines Lebens Treucrkor'ne!"
Aber wie bitter mochte die Braut überrascht sein, als sie las:
_ ^ „Du meines Lebens Trauerkrone!"
Druck, Verlag und Redaction des Litcrarischcn Instituts von Dr. M. Huttlcr.