Ausgabe 
29 (12.12.1869) 50
 
Einzelbild herunterladen

394

)

durch eine ca. 25 Kilometer breite Sandbarre von theilweise felsigem Charakter von derBai von Suez getrennt, während nördlich davon das Serapeum eine der genannten Erheb-ungen bildet. Im Norden dieser liegt der fast immer trockene Timsah-See; hiervon,zweigt sich westlich eine zweite Bodensenkung ab, welche für das Zustandekommen desKanals nicht ohne Bedeutung war. Von den Ballah-Seen ist der Timsah-See durchdie zweite bedeutendere Erhebung El - Guisr getrennt. Man nimmt an, daß in vorhistorischerZeit die Gewässer des rothen Meeres bis in das Becken dcr Biterscen hineingereicht haben,während diejenigen des Mittclmeeres an der Erhebung El Guisr ihre Grenze gefunden.Durch die Linie Suez , Timsah-, Ballah-Seen war somit die Richtung des Kanalsgegeben und galt es nun, durch den Menzaleh-See auf kürzestem Wege das Mittelmcerzu erreichen, wozu ein Punkt jener Sanddüne, auf welchem jetzt das rasch emporgcblühtePort-Sald liegt, als der passendste sich darbot. Ein Niveau-Unterschied zwischen demMittel- und rothen Meere ist an sich nicht vorhanden und enstcht nur durch die diesemeigene Ebbe und Fluth. Die geuanntc Bodensenkung hat eine Höhe von 2 bis 3 Meterüber dem Niveau der See, welche am Serapeum auf 8, bei El Guisr auf 20 Metersteigt.

Schon im 19. Jahrhundert vor Christi Geburt hatte man es unternommen, dasrothe Meer durch einen Kanal mit dem Nil in Verbindung zu setzen, welcher erst unterden Ptolemäern, 260 vor Christi, vollendet wurde und sich durch die vorgenannte west-liche Bodensenkung zum Timsa-See, von hier nach der Bai von Suez erstreckte. Bis in's8. Jahrhundert nach Christi scheint derselbe benutzt worden sein; von da ab ist er allmäligversandet und verfallen. Nachdem erst der Seeweg nach Ostindien entdeckt war, verlordie Verbindungslinie überhaupt an ihrer ursprünglichen Bedeutung. Der erste, welcherdie Idee mit Lebhaftigkeit wieder aufgefaßt, war Napoleon l. Bei seiner Anwesenheit inAegypten gab er Auftrag, die Landenge zu nivclliren, wobei sich irrtümlicher Weise fürdas rothe Meer eine Höhendifferenz von -s- 30 Pariser Fuß ergab. Erst in den 40 erund 50 er Jahren gelang es, durch neue Vermessungen des Irrthums inne zu werden.Darauf hin fand sich der für die Sache lebhaft interessirende Vizekönig von Aegypten ,Muhammed Said Pascha, Vorgänger von Ismail Pascha , veranlaßt, dem Franzosen F.de Lefseps die Konzession zur Erbauung des Kanals und zur Bildung einer Akticn-Gesellschaft zu ertheilen. Ungeachtet mancher Widerstünde, so z. B. seitens der Türkei ,welche die Bestätigung zunächst zurückhielt, und Englands , welches dem Unternehmen ammeisten entgegen war, kam. Dank namentlich dem Einflüsse Frankreichs und Oesterreichs ,das Aktienkapital von vorerst 200 Millionen Francs dennoch zusammen. Die Gesell-schaft erhielt ihr Privilegium auf 99 Jahre, nach welcher Zeit Aegypten Eigenthümer desKanals wird. Der Ertrag soll bis dahin zwischen beiden getheilt werden. Aegypten tratdafür Grund und Boden unentgeltlich ab, stellte die Steinbrüche des Landes zur Dispo-sition und machte sich verbindlich, eine bedeutende Zahl eingeboruer Leibeigenen Fcllahs der Kompagnie als Arbeiter gegen mäßigen Lohn zu stellen. Die Leitung der Gesell-schaft, welche sich ^ompgAniö universelle clu cunul maritime (io Luvn" nennt,übernahm F. de Lcsseps selbst.

Man projektirte nachstehendes Profil des Kanals: Tiefe unter dem Wasserniveau8 Meter, Breite in letzterem 100 Meter, untere Breite 22 Meter; bei El-Guisr undSerapeum auf einer Gesammtlänge von 33 Kilometer wurde die obere Breite in Anbe-tracht der Terrainverhältnisse auf 58 Meter reduzirt. Der Kanal soll für Schiffe bis2000 Tonnen Gehalt pasirbar sein; seine ganze Lüngenentwicklung beträgt 160 Kilometer.Die Summe der Ausschachtung wurde zu 6070 Millionen Kubikmeter Erde berechnet.Die wasserlosen Seebeckcn sollten durch Hinleitung des Meerwassers zu inneren Häfen umge-staltet undf die Niveau-Unterschiede in Folge der Fluth, resp. der vielfach herrschendenNordwcstwinde dadurch ausgeglichen, somit die Anlage von Schleußen entbehrlich gemachtwerden. Die Zeitdauer der Arbeiten war auf 6 Jahre festgestellt, welche indeß bedeutendüberschritten worden ist. Der Beginn derselben fällt in das Jahr 1858. Wesentlich