Ausgabe 
29 (12.12.1869) 50
 
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förderlich für das Zustandekommen des See-KanalS war die Anlage des Süßwaffer-Kanaks,gewissermaßen eine Erneuerung des Ptolemäischen, welcher von dem Moses -Kanal beiZagazig ausgehend, nach dem Timsah-See und nach Suez führt. Unter Mehemet-Ali schon war die alte Leitung bis in das sogenannte Wady hergestellt worden; von hieraus unternahm die Gesellschaft 1861 die Fortsetzung, durch das gesegnete Land Gasen,jetzt eine Sandwüste welche 1852 bis zum Timsah-See, 1864 bis Suez vollendetwurde, und auf der letzten Strecke zwei Schleußen zählt. Nicht bloß, daß dieser Kanaldas gänzlich fehlende Trinkwasser liefert und die Kultivirung des umliegenden Geländesbegünstigt, hat er auch solche Dimensionen, 15 Meter obere Breite, 2 Meter Tiefeum als Wasserstraße, selbst für größere Flußschiffe, benutzt zu werden. Nicht bloß Lebens-rnittel und Baumaterial wurden damit transportirt, sondern er diente auch bis zurVollendung des See-KanalS zum Wassertransit. Vom Timsah-See bis Suez wird' zudiesen Transporten das System der Tonage benutzt. Der ganzen Länge des Kanals nach istnämlich eine Kette gespannt, in deren Glieder die Remorqueure mittelst Zähnrädcr eingreifenund sich so an ersterer hinziehen. Die Remorqueure haben Maschinen von 18 Pferde-kraft, und schleppen mehrere Lastschiffe hinter sich. Acgypten hat dem Süßwasser-Kanaldurch eine neue Leitung Oanal ä'^Iimentation einen vermehrten Wasserzuflußgesichert. Eine doppelte Nöhrenleitung führt das Trinkwasser von JSmailia nach PortSaid , wozu am ersteren Orte starke Dampfmaschinen aufgestellt sind. Von nichtgeringer Wichtigkeit war auch die Anlage eine Eisenbahn, welche Jsmailia mit dem Nil-thal verbindet und 1867 vollendet wurde, ähnlich wie Suez mit Cairo und jetzt auchmit Jsmailia in Verbindung steht.

Die Hauptarbeiten bei der Anlage des See-Kanals bestanden in Herstellung einessicheren Zugangs und Hafens am Mittelmecr, der Anlage einer durch Erddämme gesicherten,hinreichend tiefen Fahrwassers durch den Menzaleh- und die Balla-Seen, die Ausschachtungder Erde in nöthiger Breite und Tiefe auf den Landstrecken und Sicherung gegen Ver-sandung, wo sich namentlich bei El-Guisr, am Serapeum und bei Chalouf Schwierigkeitenboten, Ausbaggerung des Timsah-SeeS und Füllung desselben, sowie der Bitter-See«mit Mccrwasser, Herstellung von Hafenanlagcn und Stapelplätzen auf der Kanalstrecke,sowie einer gesicherten Einmündung in das rothe Meer.

Die Erdarbeiten gingen unter den Händen der FellahS nur langsam voran; entstehendeDifferenzen hatten die Zurückziehung derselben zur Folge, wofür die ägyptische Regierungeine bedeutende Entschädigung zahlte. Man gab dieselben dem Hause IlorsI 6t 1>av6l-

in Entreprise, welches sich verpflichtete, sie mittelst Maschinen herzustellen. Da wodurch die Arbeiten der FellahS bereits eine Wasserrinne gewonnen war, konnte mauBaggermaschinen in Thätigkeit setzen. Oft erlaubte die Fülle des ausgegrabencn Sandesnicht, sich der Schiffe zum Fortschaffen desselben zu bedienen; man schuf einen Ausweg,indem man mittelst langer Röhren, in welchen ein Wasserstrom thätig war, den Grundin beträchtlicher Entfernung von der Maschine auszuschütten vermochte. Man hatteAusschüttröhren bis zu 70 Meter Länge; überhaupt wurden dieselben in sehr großerAnzahl angewandt. Um den Sand in die Höhe zu schaffen, bediente man sich einesDampfhebeapparats (sbrateur). Für die höchsten Stellen, wie bei El-Guisr, wo manganz im Trockenen arbeiten mußte, konstruirte man Dampf-Erdräumer (exoavgteur LLeo) und schaffte den Grund in Waggons fort. Am Serapeum und auf der südlichstenStrecke konnte man das Wasser des Siißwasserkanals benutzen, um durch Zuleitung Bas-sins zum Aufstellen der Bagger zu bilden. An kolossalen Dimensionen und sinnreicherAusführung überboten die angewandten Maschinen alles bisher Dagewesene.

Besondere Schwierigkeiten boten die Anlagen bei Port-Said. Auf der schnuAe«Sanddüne, welche noch vor wenigen Jahren die Gewässer des Mittelmeeres und desSees sich streitig machten/ wo kein menschliches Wesen Hausen konnte, nicht einmal einBaum oder Strauch wuchs, steht jetzt ein stattlicher Hafenplatz von 10,000 EinwohnernEin doppelter Damm, der westliche 3000 Meter der östliche 1800 Meter lang; am Lande.