Ausgabe 
29 (12.12.1869) 50
 
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größerer Dortheil wird es aber für Waaren sein, daß sie ohne Umladung und ohneLandtransport die kürzere Route benützen können.

Wenn schon die Schwierigkeiten der Schifffahrt im rothen Meere nicht gering anzuschlagensind, namentlich für Segelschiffe, welche sich mit dem halbjährlich wechselnden Monsun: zukämpfen haben, so wird doch für den Handel mit den Küstenländern deS indischenOceans und Ostasien ein großer Aufschwung nicht ausbleiben, welcher sich namentlich fürdie Mittelmeerstaatcn fühlbar machen muß.

Im Gefolge davon wird sich der politische Einfluß Europas in jenen Ländern nochbedeutend heben und es werden sich vielleicht ganz neue Constellationcn ergeben. Wennder Kanal auch uur kleinere Kriegsschiffe, etwa im Range der Corvetten, faßt undnamentlich für die Mehrzahl der Panzerfahrzeuge ungeeignet ist, so bildet er bei denKriegen europäischer Mächte in Ostasien doch eine für den Transport von Truppen undMaterial brauchbare Militärstraße, so daß ihm selbst eine gewisse militärische Bedeutunginnewohnt.

Das Land, welches schon im Alterthum durch seine großartigen Bauwerke berühmtgewesen ist, zählt nunmehr, Dank den Bestrebungen unserer Zeit, ein neues Monument,das aber bei seiner praktischen Nützlichkeit hoch über jene zu stellen ist. Die Name»derjenigen, durch deren Energie das Unternehmen begründet und entgegen allen Zweifelnund Hindernissen vollführt worden ist, und unter diesen nehmen die beiden Bizckönigeeine bedeutende Stelle ein; als eigentlichen Träger der Idee und Hauptmotor ihrer Aus-führung, mit einem Worte als Seele deS Ganzen aber dürfte Herr Ferdinand von LessepS zu bezeichnen sein werden der Nachwelt nicht verloren gehen. Vielleicht ist die Voll-endung deS Kanals für die neue Welt ein Sporn, um einer noch ungelösten Aufgabeähnlichen Charakters, der Durchstechung der Landenge von Panama , mit vergrößertemEifer sich zu unterziehen.

Allerseelen.

Ich war im vorigen Jahre Ende October nach Regcnsburg gegangen, um BehufsVollendung einer beschreibenden Arbeit mir die Sehenswürdigkeiten der alten Donaustadtwieder aufzufrischen. Mit unendlicher Sorgfalt war. ich den Merkwürdigkeiten Punkt fürPunkt nachgegangen. Ich hatte die stolze Brücke gesehen, welche altdeutsche Baukunstschon 1135 über den wilden Strom geworfen, ich war in den leeren Fürstenzimmernim Rathaus gewesen und dachte im Rcichssaal an das einstige heilige römische Reich-dessen Geschick hier so ernsthaft berathen wurde. Das DollingerhauS mit seinen Erinner-ungen an die wundersame Märe von: heidnischen Riesen Krako und dem frommen Dol«linger, der historische Haidplatz mit seinen blutigen Erinnerungen, das goldene Kreuz mitseiner Geschichte von: verliebten Kaiser Karl V. und der schönen Wirthin Barbara Blom,berg, welcher reizenden Historie der tapfere Sceheld Don Juan d'Austria bekanntlich seinLeben verdankt das alles und noch vieles Andere mehr war an meinen staunendenBlicken vorübergezogen und mein Respekt vor der alten, winkeligen und nicht geradebesonders reinlichen Bischofsstadt wuchs immer mehr und mehr und damals hatte ich dochnur den Dom von außen gesehen und St. Emmeran noch gar nicht. Ich kam aber nachSt. Emmeran. Schon wie ich über den Platz schritt und die romanische Pfeilerbasilikamit dem stattlichen freistehenden Campanile von fern sah, ging mir die Bedeutung derKirche auf. Die seltsame Vorhalle, mit ihren uralten steinernen Sesseln und dem GrabdeS alten AventinuS bereitete würdig auf das Mausoleum drinnen, so reich an historischenDenkmälern wie kein anderes mehr in Deutschland vor. Die ursprünglichen schönen Ver-hältnisse der Kirche sind, wie leider so oft, vollständig verzopft, aber das, Auge schweiftnur flüchtig über den Rococomust und sucht lieber die alten Inschriften auf den Grab-steinen zu enträthsrln. Da schlafen Viele den letzten Schlaf, deren Namen auS fernen,fernen Jahrhunderten schier märchenhaft an das Ohr klingt. Die Grabsteine, auf deue»