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hörnen Arbeiter zu derselben Durchschnittsfähigkeit heranzubilden; das Netto - Produktseiner Arbeit, durch das sein Adoptiv-Vaterland wächst und gedeiht, variirt nach seinenintellektuellen Fähigkeiten, den ererbten Gewohnheiten und nationalen Eigenthümlichkeiten.Man hat berechnet, daß ein amerikanischer Farmer oder qualisicirter Arbeiter für dieersten 15 Jahre seines Lebens, oder bis er sich selbst ernähren kann, 1500 Dollar kostet,ein Frauenzimmer 750 Dollar. Ein Fünftel der Immigranten ist unter 15 Jahren;aber dafür wandern auch mehr Männer als Frauen ein, und sehr Viele von ihnen sindhöher gebildete Arbeiter, deren Ausbildung hier fünfmal 1500 Dollar kosten würde. —Nimmt man jedoch an, daß ebenso viele Männer wie Frauen ankommen, so ist jedeeinwandernde Person diesem Lande 1125 Doll. werth, frei von Ausgaben. Die Anzahlder vom 5. Mai 1847 bis zum 1. Januar 1859 im Hafen von New-York angelang-ten Immigranten beträgt 4,038,991. Diese Zahl repräsentier einen Capitalwerth von1125 Doll. und einen Baarwerth von 150 Doll., zusammen also 1275 Doll. pr. Kopf,somit ein Gesammt-Wachsthum des National-Reichthums um 5,149,713,525 Doll. —Nimmt man die Gesammt-Einwanderung in die Union jährlich mit 300,000 Seelen an,so gewinnt das Land jährlich 862^ Millionen Dollars oder mehr als 1 Million Doll.pro Tag.
Ohne die Einwanderung beträgt die Zunahme der Bevölkerung circa 1,38 Procentper Jahr; mit derselben betrug sie in den Jahren 1840 — 50 35,87 Procent, und von1850—60 35,59 Procent jährlich, mithin hat die Immigration dieses Land in seinemnationalen Fortschritte um 40 Jahre vorwärts gebracht, und dabei hat die innere Ent-wickelung mit der Zunahme der Bevölkerung stets gleichen Schritt gehalten. — DieEinwanderung ist lediglich Sache der einzelnen Staaten; die Idee, daß der Congreß dieSorge für die Immigranten nach ihrer Ankunft in die Hand nehmen, die Commutations-Gclder von 2 Doll. 50 C. per Kopf einziehen und pro rnlu unter die einzelnen Staatenvertheilen solle, ist unausführbar; es würde politischen Chicanen aller Art dadurch unab-sehbaren Vorschub geleistet werden. Gegen 50 Procent aller Einwanderer, und geradedie gesundesten Elemente, gehen in's Land, und von diesen wieder drei Viertel nach denwestlichen Staaten.
Die Gründe, weßhalb sie den Vereinigten Staaten vor andern, gleich fruchtbarenund schönen und gleich leicht zu erreichenden Ländern den Vorzug geben, sind: BilligkeitdeS Grundbesitzes, höherer Werth der Arbeit und sociale Freiheit. Der Colonist mußsein eigener Herr sein, um seine physischen nnd geistigen Hülfsquellen vollständig aus-beuten und ein freies Gemeinwesen aufbauen helfen zu können. Die teutonischen Ratzenrepräsentiern das erfolgreiche Princip der Selbstregicrung, — und die lateinischen Ratzendas Erfolglose der Abhängigkeit und des Schutzes durch den Staat. Deßhalb vermiedauch bis jetzt die Einwanderung den Süden, weil dort die bürgerliche Freiheit fehlte;jetzt allerdings wird sich aus allbekannten Gründen ein großer Theil derselben dorthinwenden. —- Die Geschichte der Immigranten zeigt große und erfreuliche Fortschritte; infrüheren Jahren wurde der Einwanderer hier im Lande nicht bester als Vieh behandelt;er mußte die hochgestellte Ucberfahrt nebst einem enormen Zuschlage von oft 100 Procentfür das Nisico durch Jahre lange Arbeit abverdienen, und konnte während dieser Zeitwie ein Sklave verkauft werden, ohne die geringste Chance für sclbstständigen Erwerb zuhaben. Jetzt aber, seit 1847, sorgt die Emigrations-Commission in jeder Hinsicht fürden Ankommenden, er wird im Falle unverschuldeter Noth unterstützt und verpflegt, erhat 5 Jahre lang Anspruch auf Zulassung zu dem Hospitale auf Ward's Island, erfindet in Castle Garden einen freien Markt für seine Arbeitskraft, sein Gepäck wirdkostenfrei gelandet — und ihm die Weiterfahrt so billig und mühelos wie nur möglichgemacht. Das Einzige, was dem Congreß noch obliegt, ist, den Einwanderer auf hoherSee zu schützen, und auch dazu sind neuerdings lobenswcrthe Schritte gethan, wie unterAnderem in dem Anerbieten der Norddeutschen Bundes-Rcgierung; so dürfen wir hoffen,bald auch in dieser Beziebung kinsichtlich der Immigranten völlig ohne Sorge zu sein.
Druck, Aenag und rkrvucitcm vcs mrcrurgchcn Hnfnluts von 1>r. M. Hutiler.