Ai-O. 51.
19. Decbr 1869.
Denn solche Göttlich! it schirmt iincn König:
Veriab. dcr nur erblickt, was er gewollt,
Steh! ab von seinem Wellen.
Ei« Weihnachts-Abend in Frankfurt .
Die Schneeflocken tanzten um die Straßenlaternen und umhüllten die Lichter wiemit einem weißen, durchsichtigen Schleier. Es war ein unfreundlicher, kalter AbendDer alte ehrwürdige Dom schaute auf die Häuser von Frankfurt nieder, seine Thurm-spitze aber verlor sich im dicht fallenden Schnee. Die Karaffen fuhren mit laut tönendemSchellcngeklingcl über das weiche Pflaster und hielten Kalo vor diesem, bald vor jenemKaufladen. Bejahrte Frauen saßen hinter den mit weißem Linnen umspannten Tuchenund froren bis in's Mark neben ihren Wmdlichtcrn. Manche prächtig gekleidete Damerauschte an den ärmlichen Buden vorüber und würdigte sie keines Buckes, und manchesAugenglas richtete sich auf die großen, glänzenden Scheiben, hmlcr denen viel schimmerndeHerrlichkeit ausgebreitet lag, und wußte das arme Mütterchen nicht zu finden das beiihren weißen Schäfchen und ihrem winzigen Christbäumchen sitzt, und den lullenden Blickan die Vorübergehenden richtet.
Und auch aus den Kiemen achtet Keiner, dcr dort in dem Hänferwiukel unter dcrLaterne steht und die halb erfrorenen Hände in die dünne,> Äerniel hinauszieht DerSchnee hat fein letztes Weihnachtsbaumchen wie mit weißen Blüthen überschüttet und nunsteht er seit Sonnenuntergang im schneidenden Wurde und kalten Schnee, „nd Niemandfragt ihn und Keiner erlöst den armen zitternden Knaben. Und Viertelstunde um Vier-telstunde verrinnt, die Straßen werden leerer, — aber in den hohen Häusern mit dengroßen, glitzernden Fenstern wird es immer Heller. Und zuweilen schweben reich gekleideteDamen drinnen an den Fenstern vorüber - und dcr arme Kleine meint zu vernehmenwie eine frohe Kinderschaar jubelnd in die Hände klatscht. Uns wie er so hinüdci schautnach dem Lichtglanze, dcr ihm aus dem Himmel herüberzulcuchten scheint, da flimmert cSvor seine» Augen, wie von tausend Flänimchen und er meint sich niedersetzen rn müssenim Anblick all' dieser Herrlichkeit, denn seine Augenlider sind schwer geworden und derArme fühlt seine Glieder nicht mehr, sie sind halb erstarrt. '
Da ließ er sich sachte an der Mauer auf die Erde nieder, und es war ihm so süßund wohl, — er stand in einem großen glänzenden Saale, in dessen Mute ein hoherWeihnachtsbaum mit hundert Lichtern strahlte, und hinler dem Baume her erklang einesanfte Musik und liebliche Stimmen sangen: „Ehre sei Gott in der Höbe!"
Und dann bedeckte ein ganzer Berg von Schnee all' die Pracht und hoch auf dem-selben stand die Großmutter um einem Weihnachlöbäumchcn in der Hand, sie war ausdem Wege nach dem Himmel zum Christkindlciu. Und der Kleine sah. wie sich die Theedes Himmels austheilen, so daß mau tief hineinsehen konnte. Große Porzcllaiiöfen halbso hoch, wie dcr Thurm des granlfurtcr Domes, standen einer hliitcr dem andern unddie Engel schwebten darüber und jeder hatte sein Wcihnachlsbäumcheii ii, der Hand!
Nun wird Alles sonnenhell und die giößic Stille hcnschr im ganzen Himmel —Das „Christ!,ndlciu," weiß wie Schnee und strahlend wie Gold, hall seine» feierlichen