Ausgabe 
29 (19.12.1869) 51
 
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Hände, und als der Kleine in seinen prächtigen Kleidern zur Thüre hereintrat, da schloßsie ihn in ihre schwachen, vor Freude zitternden Arme, und dankte unter Thränen demKindlein, das ihr so viele Gnaden erwiesen in der heiligen Weihnacht.

Noch eine Weile blieb der Fremde in der Kammer der armen, kranken Wittwe,und tröstete sie und rief mit seinen sanften Worten alle Frcudcngcfühle in dem armen,granigcdrückten Herzen wach. Und als er Hinausschritt und durch die dunkeln öden Straßenging, da war wohl Keiner glücklicher in dczn großen Frankfurt , als der unscheinbareMann mit dem grauen Hut und braunen Mantel.

Es war still geworden im Slübchen der armen Wittwe. Der Knabe schlief sankund ruhig, die Mutter war eingeschlummert mit einem Gebete für ihren Wohlthö ^rauf den kippen.

Die Sonne ging auf und fand zum ersten Male seit einem Jahre in dem kaltenGemach zwei lächelnde Gesichter.

Doch die Freude wurde zum Jubel, als der Kleine die Thür aufmachte. Da standin der schmalen Flur ein Tisch, mit Geschenken reichlich bedeckt, die Morgcnstrahlen ver-goldeten das Weihnachtsbüumchen des armen Knaben, das nun mit Lichtern geziert, wieein lachender Frühling zur kalten, öden Kammer hereinschaute. Und es war mehrFreude an dem Weihnachismorgen in der Kammer der armen Wittwe, als in ganzFrankfurt in allen Häusern zusammen.

Und wollt ihr misten, wie es hernach gegangen? Die Wittwe ist bald gesund undder Knabe ein kräftiger Jüngling und ein Mann geworden. Der Unbekannte hat ihnnie verlassen. Und wollt ihr besten Namen misten, so schlaget die Geschichte Deutschlands auf, denn man nennt dort auch seinen Namen. Es ist derselbe, der immer bereit war,zu helfen, der als Dichter mächtig in die Saiten schlug, um die harten Herzen zurMildthätigkeit zu bewegen, es ist derselbe, der am Lcidcnobctle der seligen Katharina vonEmmerich die wahre Nächstenliebe gelernt, Clemens Brentano .

Die Eröffnung des Suez-Eauals.

Jsmailia, 18. November. Die Hälfte des Beweises für die Schiffbarkeit dcSKanals ist geführt. Im Hafen von Jsmailia liegt eine ansehnliche Flotte von etwa28 großen Schiffen, und noch ftt Raum genug für eine dreifache Anzahl. Gestern frühum 8', 2 Uhr setzte sich das Geschwader von Port Said in Bewegung, voran derAigle"mit der Kaiserin der Franzosen , ihm nach derGreif" mit dem Kaiser von Oesterreichund dieGrille" mit dem Kronprinzen von Preußen, den der General-Consul desnorddeutschen Bundes begleitete, während das übrige Eonsular-Personal auf demDclfin"folgte.Walk" mit dem Prinzen Heinrich,Phönix" mit dem englischen,Wladimir"mit dem russischen Botschafter, derPeluse," Dampfer der Mestagerie Jmpcriale, mitden Beamten der CompagnieSuez," ein englisches Kanonenboot, der Loyd-DampferBulcan" schloffen sich an. Da man vorsichtshalber mit der Distanze von 500 Nieterfuhr, und um diesen Zwischenraum einzuhalten, häufig stoppen mußte, so dauerte diePassage zicmM lange. Unter den Schiffen soll das größte einen Tiefgang von 5'. 2 Metergehabt haben. Jedes hatte einen Lootsen an Bord; auf dem Schisse der Kaiserin sun-girtc Lcstcps, auf jenem des Kaisers Voisin-Bcy als solcher. Der Durchzug bis JSinailiaerfolgte anstandslos durch die 75 Kilometer lange Strecke; um ^, ^5 Uhr langte derAigle" daselbst an. Bon den folgenden hatte nur der Mestagcric-Dampfer das Malheur,hart am Eingänge des Hafens durch ungeschicktes Lavirxp aufzufahren und so denDurchgang zu verstopfen. Die größeren der nachfolgenden Schiffe gericthcn so iu diemißliche Situation, die Nacht über im Kanal, dem schönen Ziele so nahe, liegen bleibenru muffen. Eine ganze Reihe von Kanonenbooten englischer und französischer FlaggeHi trotzdem die Pastage und kam an all' den, den Weg sperrenden Schiffen glücklich