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aus Gängen stammt, und daß mit der Zeit auch in Sibirien mehr Gangbergbau betrieben werden wird. Aber die klimatischenVerhältnisse sind hiefür sehr ungünstige und es ist nicht anzu-nehmen, daß der Gangbergbau in dem Maße fortschreitet, als dieGewinnung aus Seifen abnimmt. Letztere aber haben in denletzten Jahren nur im äußersten Osten, im Amurgebiet, zuge-nommen, sonst aber überall abgenommen. Es glauben daher vieleeine allmähliche Abnahme der russischen Goldproduktion voraus-sagen zu müssen. Bei dem ungeheuren Gebiete aber, um das essich hier handelt, wird doch meist noch eine längere Dauer derseit 1880 wenig wechselnden Produktion für wahrscheinlich ge-halten. —
3. Europa. Unser Weltteil ist im Gegensatz zu Afrika und Asien ein altes Silberland. Im Altertum spielte lange Spanien die Rolle, welche im 16. Jahrhundert Mexiko und Südamerika zugefallen ist. Schon vorher hatte der athenische Staat seineSilberbergwerke in Attika und Euboa . Im Mittelalter warenSchneeberg in Tyrol, Schemnitz in Ungarn. Przibram in Böhmen berühmte Mittelpunkte der Silberproduktion und Jahrzehnte langvor und nach dem Jahre der Entdeckung von Amerika war Deutsch-land vermöge des alten Gangbergbaus im Erzgebirge und imHarz der bedeutendste Silberlieferant der Welt. Heute ergiebt derdeutsche Gangbergbau auf Silber in Sachsen, im Harz und amRhein zusammen etwa 50 Tonnen jährlich. Wichtiger sind diesilberhaltigen Lager im Flötzgebirge. Voran steht heute derschon im 11. Jahrhundert betriebene Kupferschieferbergbau imMansfeldischen, welcher von 1874—1893 zusammen 1245 TonnenSilber neben viel größeren Massen Kupfer geliefert hat und dessenProduktion 1893 noch 75 Tonnen betrug. Ein anderes Vor-kommen flötzartigen Charakters wird in der Eifel bei Mechernich abgebaut und liefert als Nebenprodukt von Blei jährlich 5,3 TonnenSilber. Hiezu kommen die unregelmäßigen Vorkommen im Kalk-stein der Aachener Gegend, in Westfalen und Oberschlesien mitetwa 15 Tonnen. Im ganzen wurden im Durchschnitt der letzten10 Jahre etwa 165 Tonnen Silber aus deutschen Erzen gewonnen.Jedoch wird dieses Erzeugnis neuerdings fast um das DoppelteÜbertrossen von der Silbermenge, welche aus ausländischen, teilsspanischen, teils nord- und sttdamerikanischen Erzen in Deutschland geschmolzen wird. Auch in Norwegen und in Spanien werdensilberhaltige Erze z. T. in ausgedehnten lagerartigen Vorkommengewonnen. Die gesammte Silberproduktion von Schweden undNorwegen betrug 1894 etwa 64 Tonnen. Die eigene Silber-produktion von Spanien wird für 1894 zu 85 Tonnen angegebenund betrug in den vorhergehenden Jahren noch weniger. Wennwir jedoch die in Frankreich, Deutschland, England und Belgien zu gute gemachten Blei- und Kupfererze sowie das im spanischen