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welche mit uns von dem Grundsatze ausgehen, daß es für dasallgemeine Wohl von höchster Wichtigkeit ist, daß der Wertmesserein stabiler ist. Die Währung soll nach dieser Ansicht so beschaffensein, daß im Laufe der Zeit weder den Gläubigern durch Er-höhung des Geldwerts und Erniedrigung der Preise, noch denSchuldnern durch Verminderung des Geldwerts und Erhöhung derPreise ein unberechtigter Vorteil verschafft werde. Die Währungs-politiker in beiden Lagern, welche unter dem Einflüsse dieses Ge-dankenganges stehen, sind darin einig, daß weder das Gold nochdas Silber an sich den Charakter der Wertbeständigkeit habe, aberes ist für sie von höchster Wichtigkeit, einen möglichst vollständigenEinblick in die Gestaltung der Produktionsverhältnisse und ihrenEinfluß auf den Geldwert zu bekommen, wir laden sie daherdazu ein, in den folgenden Kapiteln die Thatsachen in möglichsterKürze, aber doch in einiger Vollständigkeit, zusammengefaßt ent-gegennehmen zu wollen, und auf Grund derselben die in den letztenKapiteln von uns gezogenen Folgerungen einer Prüfung zu unter-ziehen.
I. Die Entwicklung der Edelmetall-Produktion.
In der nachfolgenden Übersicht der Entwicklung der Gold-und Silbergewinnung in den fünf Weltteilen haben wir haupt-sächlich die Resultate der größeren Arbeiten von Soetbeer, Sueßund Hauchecorne, ergänzt durch die in der Berliner Silberkommissionvon 1894 vorgebrachten neueren Thatsachen , in möglichster Kürzezusammengefaßt und dabei sämtliche Angaben auf deutsches Gewichtund Geld umgerechnet.
1. Afrika . Der schwarze Weltteil ist nicht nur das neuestesondern auch das älteste Goldland. In dem Gebirgsland zwischendem Nil und dem roten Meer sind die Abbaue entdeckt worden,aus denen die alten Egypter ihr Gold holten. Ebenso sind inAbessinien Spuren altegyptischer und arabischer Goldgewinnungnachgewiesen und neuerdings hat man im heutigen Maschonalandwestlich von Sofala ausgedehnte Reste alten Bergbaus und Gold-schmelzbetriebs aufgefunden, welche für das sagenhafte Ophir ge-halten werden, aus dem die Phönizier, Jsraeliten und Inder ihrGold erhielten. Diese Goldlager, welche sich teils im Schwemm-land teils in Gängen befanden, sind heute bis auf geringhaltigeReste abgebant. Dagegen beuten die Neger im mittleren West-