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Fälle haben unverkennbare Analogieen. In der Mitte des 16. Jahr-hunderts ist die Silberproduktion der Welt plötzlich von 90 imJahr 1545 auf 311 Tonnen im Jahr 1560 und die gesammte Edel-metallproduktion in dieser Zeit von 42 auf 100 Millionen Markgestiegen und der Edelmetallvorrat der Welt hat sich von 1520—1060von etwa 3 Milliarden auf 9 Milliarden erhöht (wobei etwa3 Milliarden für die asiatische Ausfuhr abgerechnet sind). Inder Mitte des 19. Jahrhunderts dagegen hat sich die Goldpro-duktion gegenüber der vorhergehenden 20 jährigen Periode vonetwa 25 auf 200 Tonnen im 20 jährigen Durchschnitt und gleich-zeitig die Silberproduktion von 700 auf 1000 Tonnen erhöht undder Edelmetallvorrat der Welt hat sich in den 50 Jahren 1845—1895nach Abrechnung der asiatischen Ausfuhr von etwa 38 auf 64 Mil-liarden Mark erhöht.
Wenn also grundsätzlich zugestanden wird, daß in diesenbeiden hervorragenden Fällen die Vermehrung der Edelmetallpro-duktion eine Entwertung des Geldes hervorgerufen hat, so läßt sichauf Grund dieser Zahlen schon im voraus sagen, daß die Ent-wertung des Geldes im 19. Jahrhundert trotz der viel größerenProduktionsvermehrung nicht so bedeutend sein kann wie diejenige,welche sich im 16. und 17. Jahrhundert abgespielt hat, und welchenach den neuesten Forschungen etwa mit dem Jahre 1520 inSpanien begann und ums Jahr 1660 in England zur Ruhe kam.Der bekannte Nationalökonom Helferich hat schon im Jahr 1843 über-zeugend nachgewiesen, daß die letztgenannte Geldentwertung etwa150 °/o betragen habe und als Folge der amerikanischen Silberaus-beute anzusehen sei. Auch neuere Forscher kommen zu demselben Re-sultat. Eben erst hat Dr. Georg Wiebe in einem ausführlichen Werkedie vorliegende Frage von Neuem geprüft und kommt zu dem Schlüsse,daß die Geldentwertung, welche in der Zeit von 1520—1660 vorsich gegangen ist, in Spanien, in Sachsen und in England nahe-zu Zweidrittel, in Frankreich, im Elsaß und in Westfalen etwadie Hälfte betragen hat, und daß der einzige Grund derselben inder Vermehrung der Edelmetallproduktion liegt, da alle andernzeitweilig mitspielenden Ursachen teils lokaler, teils vorübergehenderNatur waren.
Es ist nun natürlich unmöglich, aus dem 300 Jahre früherentstandenen Resultat auf ganz entsprechende Folgen der Edel-metallvermehrung in unserer Zeit zu schließen. Obwohl auch da-mals der Geldbedarf infolge des neuerschlossenen überseeischen Ver-kehrs und der neuen Kolonisationen sehr bedeutend gewachsen seinmuß, so ist es doch an sich wahrscheinlich, daß in unserer Zeitder Geldbedarf durch die Entwicklung des Eisenbahnnetzes und derGroßindustrie auf den Kontinenten von Europa und Amerika , dieKolonisation von Kalifornien und Australien , die beginnende Einbe-ziehung von Indien und Ostasien in die europäische Geldwirtschaft