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Reichsgold : Studien über Währung und Wechsel / von Ludwig Bamberger
Entstehung
Seite
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drei Seiten sich kreuzen, und so ins Unendliche. Der Mode-waarcnhändler in Montevideo bezahlt seinen Lieferanten inParis mit der Fordcrnng, welche der Fellhändler in Bucnos-Ahrcs an den londoner Importeur hat, weil einem andernenglischen Hause in Paris für Baumwolle geschuldet wird.Der Wechselkurs von Paris auf London ist nicht das aus-schließliche Facit der Geschäfte zwischen Frankreich und England ,sondern aller Geschäfte, welche beide mit allen Ländern lanfcnhaben; nnd die jedesmalige Abweichung dieses Tageskurses vondem festen Punkt des Paricnrses ist das Facit aller auf demErdenrund angestellten nnd sich kreuzenden Berechnungen derKostenersparnisse bei Gcldverscndungen. Das alles gilt natür-lich nur zwischen Ländern, die eine als Metall verwerthbareMünze besitzen. Wo diese fehlt, treten ganz andere Elementehinzu. Die Zahle», die dcu Preis ausdrücken, um welchenForderungen und Schulden von einem Lande zum andernjeweilig ausglcichbar sind (die Tagescurse der Wechsel), stellendie Summe unendlich vieler AnziehungS- und Abstoßnngs-kräftc im Weltraum des Verkehrs dar, die sich sämmtlichjeden Angenblick nach ihrem wachsenden oder abnehmendenSchwergewicht untereinander in ihrem Einfluß bestimmen.In der Schreibstube des Bankhauses befindet sich das Ob-servatorium, welches alle Wirkungen dieser beständig sichverschiebenden Gravitatiouscrschcinnngcn berechnet, und dasAnstellen dieser Berechnung so wie deren Verwerthung nenntdie Gcschäftssprachc mit einer ganz richtigen und feinen Be-zeichnung:arbitragircn" oderarbitrircn", d. h. ausgleichen.Das Arbitragcgcschäft im wahren Sinne ist die gesundeGrundlage und der eigentliche Beruf des Bankgeschäfts, eine-Thätigkeit, die natürlich in der unbegrenzt vcrvielsültigtcn