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Reichsgold : Studien über Währung und Wechsel / von Ludwig Bamberger
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neu? Wer einen Einfluß auf sie ausüben? Sie liegt außer-halb der Macht des Gesetzgebers, der doch die Geldverfassungzu geben hat. Und was er nicht beherrschen kann, darf erin seine Voraussetzung nicht aufnehmen.

Das Bild einer solchen Ausnahnislagc bietet uns zurZeit Frankreich . Keine Theorie der Welt vertheidigt denZwangscurs uneinlösbarcn Papiers, welcher vielmehr alsdie Signatur des tiefsten Geldverfalls dasteht. Frankreich hat augenblicklich den Zwangscurs. Gleichwol beklagt esniemand, leidet es nicht, sind seine CurSverhaltnisse zumAuslande solche, welche man die günstigsten nennt. DerGrund ist der, daß eiue Seite der Bestimmung des Geldes,nämlich die, überschüssige Schulden ans Ausland zu zahlen,nicht zur Anwendung zu kommen braucht. Frankreich be-darf keines Metalls zur Ausfuhr, und so sühlt es nichtals Entbehrung, daß ihm diejenige Function der freien undvollen Währung fehlt, welche gcstattct> jede Zahlung invollwerthiges Metall zn verwandeln und dieses auszu-führen. Die audcre Seite der freie» volleu Währung besitztes in Form der unbegrenzten Zulässigkcit des Goldes ausseinen Münzen. Es hat nicht hcranszuzahlcn, sondern Über-schüsse zu empfangen; zum Empfangen hat es die normaleEinrichtung der Prägfrciheit für Gold, und da es für dasAusgeben kein Bedürfniß hat, so empfindet sein Wcchsclstandnicht den Mangel des betreffenden Organs.

Wir haben bereits oben gezeigt, daß thatsächlich Deutsch-land in diesem Augenblicke dieselbe Münzverfassung hat wieFrankreich . Die Verschiedenheit der Wirkung ist einzig undallein bedingt dnrch die Stellung der Handclsbalanz. Einegünstige Handclsbalanz kann, wenn mit freier Zulassung