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Reichsgold : Studien über Währung und Wechsel / von Ludwig Bamberger
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Grenze bliebe, so beginge sie noch keine Gesctzcsvcrlctzung.Aber sie würde auch, wenn dessen für den Verkehr zu vielumliefe, alsbald von selbst gezwungen werden, diesen Fehl-tritt wieder gut zu machen, da sie nach Artikel 9 des Münz-gesetzes gezwungen ist, alle Scheidemünze auf Verlangenin Gold umzuwechseln. Weil sie die nothwendigen Con-seqnenzen dieser Zwangslage unmöglich vernachlässigen dars,muß sie in dem Augenblick, da sie die Neichsgoldwührungverkünden wird, sich auch mit dcu nöthigen Widerstandskräftenausgerüstet haben.

Das allzu langsame Verfahren im Silbereinzug hat nocheinen andern Schaden, zwar nicht für das organische Ge-deihen der Reform, aber für die Finanzen des Reiches nachsich gezogen: der Verlust au dem nach außen zu verkaufen-den Silbermctall ist wahrscheinlich größer geworden, alsnothwendig war. Allerdings ist es heute nicht möglich, buch-stäblich zu beweisen, wie weit wir die Preise gedrückt hätten,wenn wir sofort im Jahre 1872 uns entschlossen hätten,energisch einzuziehen nnd loszuschlagen, aber sehr vielesspricht für die Vcrmuthuug, daß wir bessere Preise bedungenhätten als die, welche uns künftig erwarten. Zunächst sprichtan sich die Thatsache , daß beinahe im ganzen Jahre 1872der Silbcrprcis sich zwischen 6l und 60, im Jahre 1873 bisNovember zwischen 60 und 59, ja sogar bis gegen Ende187-1 noch zwischen 59 und 58 bewegt und erst im Jahre1875 seinen großen Niedergang bis 55^ erfahren hat,letzteres gewiß ohne Mitschuld unseres gerade damals geringenAngebots. Was unter anderer Voraussetzung geschehenwäre, ist nicht zu beweisen, aber was geschehen ist, enthältimmer einige Beweiskraft. Sodann faßten erst im Laufe

Bamberger, Reichsgold. lg

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