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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Ende des Frankfurter Meßkatalogs. Lastendes Übergewicht Leipzigs . 255

Die Verleger dieser 72 Artikel sind neben sechs Frankfurter Buchhändlernje ein Buchhändler aus Grätz, Köln, Lüttich, Regcnslmrg und Wetzlar und die Wcidmannsche Buchhandlung in Leipzig (5 Artikel).

Die kursüchsische Meßstadt aber begann im deutschen Buchhandel zuherrschen und auf ihm zu lasten. Der Frankfurter Buchhandel speziellhatte eine geradezu abergläubische Furcht vor Leipzig . In einer Eingabeder sämtlichen Frankfurter Buchhändler vom Jahre 1709^ wurde ineiner aus Grimm und Grauen gemischten Art enthüllt, man habe diesichere Nachricht, daßdie Herren Leipziger Buchhändler ^uovis uwckidahin bedacht, die Bücher Handlung alleine an sich zu bringen, und zudcirk Ende überall Ihre gewiße Lmoissarios ernennet, umb alle ^ie»nilIhnen zu uotiticiren, die Lorrgsponäsnt?, ohne daß Sie hierher zureisen nothig haben, mit Ihnen zu führen, und folglichen die Handlungnicht anders alß xsr <HowMis8g.iic>8 Zu tiÄetircu Vorhabens sehnt".Unauffälligerweisc senkten sie in Gestalt ärmlicher Frankfurter Buch-händlcrcxistcnzen, die siezu Dero LowulisslN'iis ernennten", ihre Wur-zeln in das fremde Erdreich ein, vielen Bürgern durch solche den? Frank-furter Buchhandel höchst schädliche Commissiones den Gewölb- undStubenzins frustrierend. Unter kursüchsischcr Ecusur hat der deutscheBuchhandel nicht zu leiden gehabt; das Privileg- und Nachdrucks-wesen des Platzes und der Mcßstadt Leipzig , mit der Bevorzugung desGroßen gegenüber dem Kleinen im Lande, im't der Bevorzugung desInländers gegenüber dem Ausländer, mit dem starken geheimen undoffenen Nachdrucksbetrieb und -vertrieb, bedurfte dagegen dringend einerReform. Leipzig war auf dem Wege, sich zum deutschen Kommissions-platz im neuzeitlichen Sinne zu entwickeln; dabei gerieten aber auchAuswärtige in Abhängigkeit von Leipziger Kommissionären, die dannbesonders ihnen verschuldete Firmen auszubeuten wußten. Das LeipzigerAbsatzfeld gehörte zu den weitest ausgedehnten, und die Provinz fühlteempfindlich die Leipziger Konkurrenz; wir wissen z. B. von den Buch-händlern in Vorpommern daß sie schwer darunter litten. I. L. Gleditschlieferte Sortiment und Antiquariat an Kunden z. B. in Berlin, Schlesien ,Teschen, Laubcm, Hirschberg; Weidmann versorgte lange Zeit den Kur-fürsten, die kurfürstliche Kanzlei und Dresdener Bibliothekare mit in-und ausländischem, besonders holländischem und französischem Sortiment.^Den Gcschäftsgenossen gegenüber aber wurden die Leipziger schwierig im