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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Erstes Kapitel.

Anknüpfung, Einteilung und Übersicht.

Die Erfindung der Buchdrnckerkunst als Ausgangspunkt eines neuen und einesspezifisch deutschen Buchhandels. In der Meßnrganisation schon im Reformations-zeitalter die Elemente darüber hinausgehender Beweglichkeit erkennbar. Organi-sations- und litterargeschichtliche Perioden, ihr Prinzip und gegenseitiges Verhältnis.

Nie Geschichte des deutschen Buchhandels ist kein Nebeneinander ein-zelner Bilder, sondern ein einziger Organismus. Wie ein wirklicherOrganismus, so hat auch dieser seiucn Keim. Wo ist dieser erste Anfangzu finden? Wir suchen ihn hier nicht mehr in den Tiefen des Hand-schriftenzeitalters auf, sondern gehen, um einen Überblick über die buch-händlerische EntWickelung der Jahrhunderte zu gewinnen, die wir hier zubehandeln gedenken, von dem Ereignisse aus, das Mctor Hugo das größteder Geschichte nannte, der Erfindung der Buchdrnckerkunst.

Die Wirkung der Erfindung Gutenbergs auf die buchhandelsge-schichtliche EntWickelung war eine doppelte: einmal die, daß schon vor-handene, verhältnismäßig noch seichte und spärliche Wasserläufe zu vollenFlußläufen angeschwellt wurden; zweitens die Entwickclung des neuen Ge-schäfts des druckenden Verlegerhändlcrs selbst. Es ist in beiden Fällendie Frage nach dem Handel, dem Händler, die unser Interesse leitet.Und hier liegen diese neuen Entwickelungsanstöße in der gewaltigen Aus-dehnungstraft der neuen Erfindung und der steigenden geistigen Lebendig-keit der Zeit, von der eben diese Erfindung, sie ihrerseits in ungeahnterWeise steigernd, Zeugnis war; eine Wechselwirkung ideeller und materiellerFaktoren.

Das Samenkorn, das Gutenbcrg in die Furchen der Zeit senkte,enthielt in sich nicht nur den Keim zu einem neuen Buchhandel, sondernzugleich den zu einem eigentümlich deutschen Buchhandel. Die Fülle

Geschichte des Deutschen Buchhandels. II. 1