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1. Kapitel: Anknüpfung, Eintcilnng und Übersicht.
der in dieser Erfindung vereinigten littcrarischcn und buchhändlerischcnSpannkräfte erst drängte in ihrem Wachstum zu einer eigentlichen undeinheitlichen buchhändlcrisch-littcrarischcn Organisation. Sie aber mußtesich gerade in Deutschland in eigentümlicher Weise gestalten.
Aus dem Handel mit Büchern einen neuen volkswirtschaftlichen Or-ganismus des Buchhandels zu entwickeln, war die Aufgabe, die derGeburtstag der neuen Massenherstellung den Buchhändlern stellte. Eswar schon das erste Jahrhundert des neuen Buchhandels, das vom un-organisierten unmittelbaren zum organisierten mittelbaren Wandcrverkchrcführte. Der unmittelbare Wanderverkehr blieb bestehen. Aber in denHauptmessen mit dem auf ihnen sich entwickelnden Geschäftsverkehr wur-den die zahllosen vereinzelten Fäden selbständigen Handels und Wandelsmehr und mehr in einem gemeinsamen Knoten verschlungen.
Der Wahlspruch des organisierten Handels ist, wenn wir die Gliede-rung nach einzelnen Bildnngs- und Jntcressenkrciscn außer Acht lassenund nur das Prinzip ins Auge fassen: Einer für Alle; Alle für Einen.Wie zu einer Zeit, die dieser Handelsorganisation bedarf, der eineSchriftsteller für Alle schreibt, so hat der Handel es zu bewerkstelligen,daß die eine Schrift Alle, für die sie geschrieben ist, erreicht; oderdaß alle Schriften, die für den Einen geschrieben sind, diesen Einenerreichen.
Die Gestalt, in der der Buchhandel des Altertums an der Lösungdieser Aufgabe arbeitete, war die der hauptstädtischen Centralisation desVerlags.
In den ncucuropäischcn Staaten, in denen sich eine ähnliche staat-liche Ccntralisicrung entwickelte, hat sich auch eine der antiken in dieserHinsicht ähnliche Organisation des Buchhandels entwickelt. Im 16. Jahr-hundert konnte diese Form noch nicht in Schärfe hervortreten: damalsbildeten Deutschland, Italien, Frankreich, England ein einheitliches litte-rarisches Westeuropa . Dann aber, als das Zeitalter der nationalenLitteratur durchbrach, mußte der internationale Meßvcrkehr mehr undmehr zurücktreten und mußten sich namentlich in Frankreich und England die buchhändlcrischen Mittelpunkte Paris und London ausbilden. Deutsch-land dagegen? Es hatte kein staatliches und deshalb kein buchhändle-risches Rom: die Organisation eines deutschen Gcsamtbuchhandels standund fiel mit dem Verkehr auf der herrschenden Messe.