Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
3
Einzelbild herunterladen
 

Erfindung der Buchdruckerkunst, Organisation des deutschen Buchhandels. Z

Der Mcßverkehr war es, vermittelst dessen, im Gegensatz zumrömischen, gerade der deutsche Buchhandel an der Lösung jener Aufgabearbeitete. Das Schema, nach dem die Versorgung des Publikums mitlitterarischen Erzeugnissen durch den Buchhandel vor sich ging, war dies:die Neuigkeiten erscheinen zur Messe, auf der Messe; der Buchhändlerbringt sie von da nach Hause mit und setzt sie im Platz- und Reise-vertrieb ab; die kleinen Buchfuhrcr versorgen sich teils in Frankfurt ,teils bei den Buchhändlern ihrer Gegend. Das Publikum konnte nichtzu beliebiger Zeit ein beliebiges Buch bestellen. Der Buchhändler selbstist Post und Katalog: die Beweglichkeit des Buchhandels besteht in derBeweglichkeit des Buchhändlers.

Wir sagen: es war das Schema; und es ist, was die Stellung derMesse betrifft, erst im 19. Jahrhundert ganz überwunden worden. Wares aber möglich, daß ein Schema, das im Laufe der Jahrhunderte sostark ausgefüllt und überschrieben wurde, daß es endlich kaum noch er-kenntlich war und bei Seite geworfen werden mußte, selbst damals ge-nügen konnte den Bedürfnissen einer geistig so bewegten Zeit, wiees diejenige des Humanismus und der Reformation war?

Das Bedürfnis erzeugt den Fortschritt der Technik, der Fortschrittder Technik läßt die Unternehmung höher emporschnellen, die Steigerungder Unternehmung steigert die Anforderungen der Konsumtion, diese An-forderungen arbeiten fortgesetzt an der EntWickelung der Organisation desHandels, die immer höhere Entwickelung des Bedürfnisfes und des Handelsaber erzeugen wiederum neue Fortschritte der Technik: so ist, roh gesagt,denn die einzelnen Faktoren wirken wiederum aufeinander, der imPrinzip ewige Kreislauf der Wechselwirkung der im Buchhandel ver-einigten ideellen und materiellen Faktoren. Über das Erscheinen neuerSchriften rasch unterrichtet zu werden, sie vor dem Kaufe durch eigeneEinsichtnahme kennen zu lernen und sich eine bestimmte Schrift jederzeitrasch verschaffen zu können, waren Bedürfnisse, die sich auch damalsschon geltend machen mußten, als es noch keinen Mcßkatalog, nochkeine litterarischen Zeitschriften, keine wohlausgerüsteten Sortiments-handlungen zu sofortiger Ausführung jedes Auftrags auch zwischen denMessen gab.

In der That zeigte der Verkehr innerhalb des Buchhandels selbstund derjenige zwischen Buchhandel und Publikum schon in der Refor-

1*