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1. Kapitel: Anknüpfung, Einteilung nnd Übersicht.
mationszeit dic ersten Spuren einer über jenes Schema hinausgehendenBeweglichkeit.
Den Mangel an bibliographischen und journalistischen Hilfsmittelnersetzte der tüchtige Buchhändler durch die uumittclbarc Korrespondenzmit seinen guten Gelehrtcntunden. Wenn er von der Frankfurter Messe heimkam, so sandte er ihnen ein handschriftliches Verzeichnis der heimge-gebrachten Neuigkeiten^; ja diese Verzeichnisse, was besonders bemerkens-wert ist, sollten einen wirklichen Meßkatalog darstellen: sie nennen sichzuweilen „register der bucher so iczundt neu gedruckt uud ausgangcn undizzige messe zu Franckfort geniest".'^ Mehr als das: der littcrarisch leb-hast interessierte Gelehrte erfuhr durch eine das ganze Jahr hindurch fort-lausende Korrespondenz von verschiedenen Buchhändlern der wichtigstenVerlagsorte seiner Sphäre, was sie selbst, und nicht nur sie selbst,sondern die Verleger ihres Ortes überhaupt, ja selbst Verleger aus-wärtiger Orte, soweit es sich um der Kunden besondere Interessen han-delte, jeweilig unter der Presse hatten. ^ Damit ging Hand in Hand, daßder Buchhändler der wichtigeren Buchhandclsstüdtc seinem auswärtigenKunden ein Entgegenkommen zeigte, das den Sortimcntsmangcl an dessenWohnort zu ersetzen bestimmt war und der Ansichtssendung späterer Zeitennahekam. Durchschnittlich geschah der Bezug seitens der Kunden fest, derBuchhändler gab oder schickte Bücher im allgemeinen nur, wenn mansie „gewißlich nehmen" wollte, wobei freilich die Kreditvcrhältnisse —für die Kunden recht angenehme waren: „Auff eine zceit zu betzalenn",heißt es in den Geschäftsbriefen wohl^, und diese Zeit erstreckte sich nurzu oft nicht nur auf Jahre", sondern, besonders wenn der Kunde weitentsernt wohnte, bis in alle Ewigkeit. Dort aber, wo es sich um stän-dige gute Abnehmer handelte, zeigte der Buchhändler auch damals schonhilfreiches Entgegenkommen. „Wo sie euch nicht gefallen so schickt mirsie wieder", schrieb Michel Lotter in Magdeburg bei einer Büchcrsendungan den Stadtschrciber Stephan Roth in Zwickau : Roth gefielen dieBücher nicht, er sandte sie zurück und Lotter schickte ihm für das zurück-gesandte Psalterium ein anderes, ob ihm dies vielleicht besser gefalle. °Christoph Schramm in Wittenberg teilte im Mai 1545 demselbenStephan Roth mit, daß in Magdeburg eine Kirchcnordnung erschienensei, schickte sie ihm nebst andern Büchern und schrieb dazu: „Vorsehe micheuch gefallen und habe sonst nichts neues." ^ Ähnlich Hans Mauser