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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Westfälischen Frieden bis zum Beginn der klassischen Litteraturperiode : (1648 - 1740) / Johann Goldfriedrich
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Der Buchhändler und seine Gelehrtenknnden zur Reformationszeit. 5

(Leipzig) ^ und Heinrich Sosadt (Leipzig ) ° an denselben. Nun war aller-dings Stephan Roth nicht nur ein ganz besonders guter Abnehmer, erwar einer derjenigen Gelehrten, die die Kundenbcstellungen ihrer Gegendsammelten und dem Buchhändler zustellten, ja gleichsam ein nichtbuch-hündlerischcr Kommissionär. Zu Jorg Nhaw stand er zugleich im Ver-hältnis des Autors; Rhaw stellt die fortlaufende Ansichtssendung gleich-sam als besondere Belohnung des Schriftstellers hin: er ersuchte ihn umeine neue deutsche Übersetzung und Auslegung des 78. Psalms, weil desBuceri translacio ihm nicht gefiel, und um die Vorrede zum ganzen Psalterund versprach ihm dafür eine aufs schönste gebundene deutsche Apo-logiamdas vberig lon, sol cwcr achtbar Wirde von Gott gewarttensein: werdet yhrs thun, so wil ich mich bevleissigcn, das ich euch stettswas newes sende"."' Und wenn auch die Forderung des Gelehrten-publikums in den buchhändlerisch bevorzugten Städten, die FrankfurterMeßnovitäten, ob man sie nun kaufte oder nicht, im Buchladen durch-blättern zu können Christoph Schramm in Wittenberg brachte mitSeufzen auch die teuersten Bücher mit, die man ihn? nicht abnahm: ermußte siezum schaue mit bringen"" in ihrer Wirkung einer Zu-sendung mit der Berechtigung der Rücksendung ziemlich nahe kam: sowar diese Zusendung doch offenbar auf solche und ähnliche Fülle, wiedie beschriebenen, beschränkt. Wer vermag aber zu sagen, in wie vielenFällen und in welchen Abstufungen solche Gebräuche trotz der Kleinheitder Städte, trotz der noch geringen Konkurrenz und trotz der schwer-fälligeren Verkehrsvcrbindungen nach auswärts damals stattgefunden habenmögen?

Der geschilderte Verkehr von Bnchhändlern in Wittenberg, Leipzig ,Magdeburg und Nürnberg mit gelehrten Bücherkäufern im heutigenKönigreich Sachsen links der Elbe im zweiten Viertel des 16. Jahr-hunderts fand während des ganzen Jahres statt.^

Werden wir einen Augenblick zweifeln, daß entsprechende Verhältnisseauch im Verkehre der Buchhändler untereinander obgewaltet haben? Eben-falls noch nicht grundsätzlich und aus eigenem Antriebe vom Buchhandelallgemein gchandhabt, ebenfalls noch erst an besonderen Punkten, unter be-sonderen Verhältnissen sich einstellend. Wenn der Buchhändler seinen gutenPrivatkunden verlangte und unverlangte, oder genauer: speziell uud generellverlangte Neuigkeiten zusandte, ihnen auch bestellte Bücher gern mit der