Palms Erschießung.
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nach Paris über Nürnberg als einen „Herd der Jntrigucn" und Sitzvon „Emissären und Libellisten", einer zahlreichen, eine Erhebung gegenFrankreich planenden Partei, sondern, wie die Gesandtschast Napoleon unmittelbar darüber unterrichtete, daß eine „Unmenge von Pamphletenkursierten, deren Zweck sei, das bayerische Volk gegen die französischeNegierung aufzureizen", so sorgten, wie es scheint auf unmittelbare Ver-anlassung des Königs von Bayern , auch die bayrischen Behörden durchEinliefcrung in Nürnberg verbreiteter aufrührerischer und für Napoleon beleidigender Broschüren dafür, daß der Kaiser selbst auf den „Geistdieser allen österreichischen und englischen Jntrigucn zugänglichen Reichs-stadt aufmerksam gemacht" wurde. Genau wie einst das Vikariat desrömischen Reiches deutscher Nation, so schrieb nun der Kaiser der Fran-zosen: „Alle Pamphlete, die in Deutschland Verbreitung finden, kommenaus der Stadt Nürnberg ".
Im Juli 1806 entdeckten französische Offiziere in der Nähe vonNördlingcn Exemplare der anonymen Broschüre: „Deutschland inseiner tiefen Erniedrigung". Es war eine Schrift von 144 SeitenKleinoktav, Palm war ihr Verleger, der Verfasser, über den nochheute ein nicht aufgeklärtes Dunkel herrscht, entweder Johann KonradMin, Gymnasialprofessor in Ansbach und später Oberfinanzrat inMünchen , oder Philipp Christian Gottlieb Aelin von Winterhausenbei Würzburg , removierter gräflich Rcchterenscher Obcrpfarrer und Kon-sistorialrat und damals Privatlehrer in Nürnberg und Fürth, derDrucker war Hessel in Altdorf; im Juni hatte Palm die Broschüre mitder Faktur: „ . . erhalten . . Deutschland 1 fl. oder 16 Gr. ordin.Ich bitte es bestens bekannt zu machen. Junius 1806. Anonymus",an den Buchhandel versandt.
Es war ein unkluges und höchst wagehalsiges Unternehmen, dessenbedenklichste Folgen für Autor und Verleger, wenn sie entdeckt wurden,jedem Besonnenen deutlich sein mußten, in dem noch von den Franzosenbesetzten Süddeutschland, und uoch dazu in einer ihrer Selbständigkeitberaubten und doch noch keinem größern Staatsgcbilde angegliedertenehemaligen Reichsstadt, eine Schrift erscheinen zu lassen, die die Na-polconische Politik auf die Wurzeln unersättlichster Herrschgier undEroberungssucht zurückführte, den „Frciheitsschwindel der Gallier" ent-hüllte zeigte, wie die sogenannte Republik zur Tyrannis umgeschlagen