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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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Französisches Bücherdckret vom 5. Februar 1810.

I.',".

«In eommsrek, die ebenfalls 51 Centimes pro 100 KZ betrug, zuentrichten.

Eine religiöse und littcrarische Engherzigkeit nach dem MusterÖsterreichs und Bayerns zu Ausgang des 18. Jahrhunderts hatte manvon einem Napoleon nicht zu erwarten; eher konnte man sich aufStrenge gegenüber ultramoutancr und politischer Litteratur gesaßt machenund vor allein für die Zeitschriften und Journale fürchten. In derThat hat die französische Ecnsur durch Illiberalitcit keinen bemerkens-werten Druck ausgeübt, umso weniger, als der Generaldirektor, der alteStaatsrat von Pommereuil, ein bequemer Herr war. In Coblcnz z. B.wurden die Bücher bei ihrer Ankunft, wenn sie verdächtig erschienen,vom Präfcktcn unter Leute in der Stadt zur Beurteilung verteilt.Solcher Untersuchung wurden aber lediglich politische Schriften unter-worfen, und auch diese nur obenhin; strenger war man unter den da-maligen Umständen gegen theologische Werke, in denen man ultramon-tane Grundsätze witterte. Ästhetische und wissenschaftliche Schriftenwurdeu nicht angesehen,auch weiter nichts Sonderliches verboten", wieGörrcs schreibt. Auf deutsche Dcnunciationcn achteten die Franzosengewöhnlich nicht. Dabei waren die Schreibereien und damit die Beamtenzahllos. Die Regierung, meinte Görrcs, werde bald einsehen, daß diegeringen Vorteile mit den großen Kosten in keinem Verhältnis stünden,und das ganze System wieder aufheben.

Drückend aber war für den deutschen Buchhändler auf französischemBoden die Organisation selbst; sie raubte Zeit und, sowohl durch dieKorrespondenz nach der Hauptstadt des Departements und nach Paris wie durch die Eingaugsgebühr, Geld. Wer nahe der Buchhaudclsgrcnze,womöglich in oder nahe bei dem Sitze des Präfektcn wohnte, konntewenigstens gewisse Formalitäten selbst besorgen. Auch dann aber mußte,wcnu es sich um kleinere Firmen handelte, schon das kann: erträglich sein,wenn für jedes einzelne Buch, das bestellt wurde, der Permis inParis hätte eingeholt werden sollen. Einzelne linksrheinische Hand-lungen wandten sich mit Vorstellungen an den Generaldirektor, wnrdcnaber damit abgewiesen. Nun: der Ausweg, den der Buchhändler dannzu beschreiten hatte, war ihm bei der Organisation seines deutschen Buch-handels gewiesen. Er mußte das Band seines direkten Verkehrs mitdem rechtsrheinischen Buchhandel glatt durchschneiden, sich mit seinen