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1. Kapitel: Die Zeit der Fremdherrschaft.
gegangenen Journalen einige der Censur unterworfen worden waren; derdritte: daß man nicht begreife, wie franzosische Gesetze den Leipziger Meßbesuch stören könnten und umgekehrt die Maßregelung des LeipzigerMeßhandels auf die Natur französischer Gesetze „auch nur entfernt" solleeinwirken können. Die wirklichen Gründe der bedrohten Lage des Buch-handels bestanden nach allen drei Gutachten vielmehr darin, daß durchdie Kontinentalsperre der Absatz nach England , infolge des nachteiligenWechselkurses der Absatz nach Rußland, Schweden und Dänemark ganz,nach Österreich, Ungarn und Polen fast ganz, durch das Februardekretder Absatz nach Frankreich, Holland, Italien und den dcutschfranzösischenProvinzen am Rheine verschlossen war und nach den Departements derElbmündungen, der Weser, Ems, Lippe u. s. w. im Begriffe stand, eszu werden, und in den dadurch doppelt empfindlichen Wirkungen derÜberfüllung, besonders in Leipzig selbst, und des Nachdrucks. Das seienaber alles Dinge, an denen eine Einschnürung des Leipziger Mcßhandelsdurch die härtesten Censurmaßregeln nichts ändern könne. Daß es an-gezeigt sei, hinsichtlich der Überwachung des Leipziger Bllcherverkehrs,um mit dem Protokoll vom 17. Juli zu reden: „den Kayscrlich fran-zösischen Behörden zu zeigen, daß man auch in diesem Puncte auf Loyalitäthalte, und etwas thun wolle", davon waren aber auch sie überzeugt. InAnbetracht möglichster Schonung des Kommissions- und Speditionshandelssprachen sie sich aber nur für eine Erweiterung und strengere Hand-habung des Gesetzes vom 24. April 1809 betreffs der anonymenSchriften und dafür aus, daß bei Redaktion und Censur des Mcß-katalogs anstößigen uud verdächtigen Titeln gegenüber um so größereVorsicht geübt werden solle, als bis dato wenigstens die Titel bei denfranzösischen Behörden der einzige Maßstab waren, nach dem sie dieBücher erlaubten und verboten.
In seinem Berichte an Gutschmidt (Juni 1811) erklärte Kummer,das Napoleonische Bücherdekret habe bereits bedeutenden Einfluß auf dieLeipziger Messe ausgeübt und werde einen noch viel bedeutendem aus-üben. Er sah ihn nicht nur in der Erschwerung des Absatzes nachFrankreich unmittelbar, sondern auch darin, daß der deutsche Nerlagjenseits des Rheins nachgedruckt werden würde und die Nachdrucke nachDeutschland zurückfluten würden. Namentlich hinsichtlich der besten deut-schen Ausgaben der lateinischen Klassiker, die nach Frankreich besonders