Gutachten der Leipziger Deputierten und der sächsischen Bücherkommission. Z5
starken Absatz fanden, lag die Befürchtung nicht fern. Bei den billigernfranzösischen Papierpreisen war die erfolgreiche Konkurrenz französischerNachdrucke auch in England, Holland, Spanien, Portugal vorauszusehen.Das Bild der allgemeinen Lage des Leipziger Buchhandels malte Kummerin den schwärzesten Farben. Achtzehn Handlungen waren in den letztenacht Jahren untergegangen, vier standen im Konkurs, der Zusammen-bruch einer Menge anderer war in kurzer Zeit vorauszusehen, und diewarfen sich der Schleudern in die Arme. Nicht besser sah es in Dresden ,Wittenberg, Chemnitz, Frcibcrg, Bautzen, Zittau aus; gerade die nicht-leipziger sächsischen Buchhandlungen litten unter der Überschwemmung desLandes mit den Büchern der Leipziger Schleuderer, außerdem unterihrer zu großen Zahl — die meisten konnten eigentlich nur Bücher-trödlcr genannt werden. Kummer zweifelte, daß sich ein Käufer findenwerde, wenn sämtliche Buchhandlungen in Pegau, Penig, Plauen ,Naumburg, Zeitz, Torgau, Oschatz und Lübben zusammen für 5000Reichsthaler feilgeboten würden, und meinte, in kleinen Provinzialstüdtensollte es überhaupt keine Buchhandlungen geben. Von Westfälischer Seitewar über das Bücherwcsen noch nichts verfügt worden; und Kummerwar überzeugt, daß von dorther auch nichts zu befürchten sei, am wenigstendie Einrichtung einer Büchermesse. Er riet hier, von der strengsten ge-werblichen Beschränkung des Buchhandels abgesehen, namentlich den Nach-druck und Nachdrucksvertrieb in Frankreich erschienener Originalwerke,der in Deutschland so üppig blühte, daß selbst der lüoäs MMeon inLeipzig nnd mehrern andern Orten nachgedruckt wurde, unter den der-zeitigen Verhältnissen in Sachsen zu verbieten, um wenigstens nicht selbstzu Klagen und Repressalien Anlaß zu geben.
Die Büchcrkommission fand allerdings die Perthessche Angabe, dasfranzösische Gouvernement richte seit einiger Zeit eine besondere miß-trauische Aufmerksamkeit auf den deutschen und besonders den LeipzigerBuchhandel, durch die Erfahrung bestätigt; auch meinte sie, Perthes werdeüber die dort herrschende Stimmung wohl genauer unterrichtet sein alsdie Leipziger . Indessen seien die sächsischen staatlichen Einrichtungen be-züglich Presse und Buchhandel anerkannt gute; nur auswärts unbekannt,weil gewohntermaßen nur den Beteiligten bekannt gemacht. Es dürfte daherwohl zweckmäßig erscheinen, alle Bestimmungen in einem zu publizierendenReglement zusammenzustellen; durch die Mitteilung dieses Reglements