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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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1. Kapitel: Die Zeit der Fremdherrschaft.

fisziert worden waren, von Rein (W. Rein H Comp.) waren in letzterZeit zwei Bücher konfisziert worden, Kuhns ZeitschriftDer Freimüthige"war im französischen Deutschland verboten.Wir zittern für die trau-rige Folgen welche für den Leipziger Buchhandel die Erscheinung vonBier solchen eoniiscadlön Büchern in Leipzig bei jetzigen Zeiten habenkönne." Brockhaus und Rein seien verschuldet. Der Leipziger Buch-handel sei bereits überfüllt. Man habe schon oft eine Beschränkung derAnzahl der Leipziger Buchhandlungen dringend erbeten, namentlich aberdie Zulassung von Personenohne Kenntnisse, Fonds und Lehr- undDienstjahr". Die politischen Artikel der Genannten seienAuswüchseeiner allzugroßen Industrie, besonders bey Menschen, welche zu allem ihreZuflucht nehmen, was sich ihnen nur darbietet . . . Allzustarke Con-currenz und zuviel Industrie beym Buchhandel ist weder für den Handelselbst, noch für den Staat möglich . . . Wir sehen täglich mehr, wiewenig geneigt die Französische Regierung dem deutschen und besondersdem Leipziger Buchhandel ist, wir flehen daher inständig darum an, dochalle Gelegenheit zu vermeiden, daß man nicht Anlaß gebe, den hiesigenBuchhandel noch mehr zu beschränken."

Die Regierung ihrerseits führte am 4. Dezember 1811 den eigenenpolitischen Censor zu Leipzig ein, den in Leipzig privatisierenden Ge-lehrten, seit Juli 1812 Hofrat , Johann August Brückner. Es warendamit die miteinander kollidierenden Rechte der einzelnen Professoren aufdie Censur politisch-juridisch-geschichtlicher Schriften in einer Hand ver-einigt, und es war so Einheitlichkeit in ihre Behandlung gebracht. Brücknerhatte nur die unmittelbare Censur der in Leipzig gedruckten politischenSchriften, sowie aller, auch nicht politischen, periodischen Blätter Leipzigs ;für die außerhalb Leipzigs gedruckten galt die zeitherige Censur, indessenhatte ereine Aufsicht" darüber. Seine Instruktion befahl die Unter-drückungaller Anzüglichkeiten gegen irgendeine Person oder Macht".Brückner selbst schilderte später das sächsische, besonders politische Censur-wesen von Ende 1811 bis Mitte Oktober 1813 so: nur darauf sei eshauptsächlich angekommen, ein drohendes Gewitter gleichsam für jedenAugenblick zu beschwören, indem man den Zündstoff auf die Seite schaffte.Die fremde Tyrannei war einmal aufgeschreckt. Im Bewußtseyn ihrereigenen Schlechtigkeit, und des wohlverdienten Haßes aller Guten, fühltesie sich geängstigt durch jede Aufmunterung zur Vaterlandsliebe, durch