39
jede Hinwcisung auf die Grundsätze der Gerechtigkeit, durch jede Erinne-rung an Völkerrecht, das sie mit Füßen trat. Ihre dienstfertigen Späherbelauschten jede Äußerung dieser Art . . . Was anders konnte da einCensor zu beachten haben, als ohne Schonung alles zu unterdrücken, wasden Zorn jener Tyrannei) reitzen könnte? Er wußte, es sollte einmahlkeine öffentliche Meinung mehr seyn; er durfte daher auch nicht zu-geben, daß sie sich irgendwo ausspräche." Die Bücherkommission be-merkt am 23. Mai 1812, daß die Einrichtung den beabsichtigten Zweckvortrefflich erfülle; seit seiner Anstellung habe der Censor nur ein ein-ziges Mal zum Eingreifen Gelegenheit gehabt; sie betraf einen Aufsatzder Leipziger Wochenschrift „Argus", gegen die sich mehrere polnischeHandelsjuden beschwerten, weil darin vor Geschäften mit Juden undJudengenossen gewarnt wurde. Dabei kamen in Leipzig fünfzehn periodischeBlätter heraus, von denen sieben ganz oder doch zum Teil politischwaren. Wie artig war die Presse geworden! Als im Juni 1812 derpolitische Censor kraft seiner Aufsichtspflicht dem Redakteur des Schnce-bcrgcr „Crzgcbirgischcn Anzeigers" eine „ernste Zurechtweisung" erteilte,schrieb dieser zurück, nach einem halben oder dreiviertel Jahr werde erwohl nicht mehr nötig haben, ihm ein Exemplar seines Anzeigers ein-zusenden, denn infolge der neuen Maßregel und Einschränkung nehmedie Lcserzahl so sehr ab, daß die Druckkostcn nicht mehr herauskämen. Ein„Verzeichnis; der seit December 1811 bis Januar 1812 von dem poli-tischen Ccnsor zu Leipzig censirtcu . . . nicht unter die Rubrik von Zeit-schriften, Flug- und Tageblättern gehörenden, sondern eigentlich sogenanntenWerken" enthält 14 Nummern. Weltbewegendes ist nicht darunter. EinBericht über die Schlacht von Wagram wurde abgewiesen, weil er dendabei interessierten Parteien mißfällig sein könnte; an den Artikeln„Continentnlsystcm, Secvölker" u. s. w. des Brockhausschcn Konversa-tionslexikons mußte mchrercs geändert werden; wegen eines Manuskripts,in dem Rußland der Untergang prophezeit wurde, und eines andern„Über die Wichtigkeit der rußischcn Vorlnnde gegen Westen" erstatteteder Censor Bericht nach Dresden .
Von Dresden her war noch immer eine offizielle Äußerung betreffsder Pcrthcsschcn Angelegenheit zu erwarten. Dinge von viel größererBreite waren damit verbunden. Die schon vor der PertheSschcn Ein-gabe eingeleiteten Verhandlungen über Lage und Besserung des Leipziger