Kotzcbues „Denkschrift". Eberhards „Deutsche Schriftsteller". 69
hültnisscn, so auch denen des Buchhandels diejenige Gestalt gegeben werdenmüsse, die aus der Idee einer deutschen Volkseinheit hervorging. Daswar jedenfalls die Sprache, die dem Wortführer der deutschen Buch-händler in diesem großen und feierlichen Augenblicke deutscher Geschichteund Buchhandclsgeschichtc geziemt hätte.
Die Deputierten aber waren mit Kotzebues Denkschrift zufrieden undfanden sie gut und zweckmäßig abgefaßt und die Petition darin rein undbestimmt ausgesprochen, und Bertrich meinte, sie habe auch das Gute,daß man wohl jedes Mitglied der Deputation für ihren Verfasser werdeansehen können. Das war nun bei ihrer Farblosigkeit gewiß richtig.
Eine dritte Broschüre, die in der Geschichte der Deputation einewenn auch nur untergeordnete Rolle spielte, war die des Inhabers derRengerschcn Buchhandlung in Halle, Dr. Chr. Aug. Gottl. Eberhard,der später durch das erzählende Gedicht „Hannchen und die Küchlein"(1822) populär wurde: „Die deutschen Schriftsteller. Was sie thaten,was sie für Unrecht leiden, und was ihnen für Lohn gebührt" (1814).Bertuch bediente sich ihrer gleichsam als einer inoffiziellen Denkschrift undsandte sie u. a. an den Freiherrn von Stein. Es ist zweifellos die besteder drei Broschüren; sie vereinigt mit der Kraft, Tiefe und Wärme desJenenser Professors die Sachkunde des Buchhändlers. Die deutschenSchriftsteller, das ist ihr leitender Gedanke, haben durch das Ver-dienst, den edlern Teil des Volkes, von dem deshalb Geist und Begeiste-rung ausgehen konnte, auf eine höhere Stufe geistiger Bildung ge-hoben und, wie Fichte, Fouque, Körner, Arndt, Gentz, Kotzebue , in derZeit der Befreiung der Nation Schwung und Kraft mitgeteilt zu haben,sich Schutz der Geistesfreiheit gegen engherzige Finsterlinge und Schutzdes Geisteseigentums gegen räuberische Nachdrucker „erschrieben". Nirgendseine weniger beschränkte Denk- und Prcßfreiheit, eine klarere Einsicht desVolkes in die äußern und innern Verhältnisse des Staates als in Eng-land ; und nirgends ist in den Erschütterungen der beiden vergangenen Jahr-zehnte der Thron uncrschütterter geblieben. Nirgends auf dem Kontinentsind Gcistesfreiheit und Volksaufklärung mehr befördert worden als inPreußen ; und gerade Preußen hat die gefährlichste Feuerprobe am glän-zendsten bestanden. Eberhard zeigt das Wagnis der Verleger und daß sienicht nur littcrarische Krämer und dienende Brüder in der großen Logeder Gelehrten sind, sondern oft gerade für diejenigen Werke, von denen