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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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76 2. Kapitel: Der Buchhandel im Kampfe um Rechtsschutz und Preßfrcihcit.

sich nichts vernehmen, was darauf hätte schließen lassen können, daßman hier daran gedacht hätte, in die Bahnen einzulenken, die die Bundcs-akte vorgezeichnct hatte. Die österreichische Vorschrift für die Leitung desCensurwcscns vom 10. September 1810 hatte keine der Fesseln der Ver-gangenheit beseitigt, ja das System der geistigen Bevormundung nur nochverwickelter und gefährlicher gestaltet; und dieses ganze nach des großenJoseph Tode wieder eingeführte System mit seiner ausnahmslosen Er-strccknng auf jedes für den Druck bestimmte handschriftliche Erzeugnis,seiner Vcrquickung von polizeilicher Aufsicht und litterarischer Kritik,seiner entwürdigenden Bevormundung, wie sie sich in den Scheden , derKontrolle der Nachlässe u. dergl. ausdrückte, mit so peinlichen Er-schwerungen wie der Pflicht der doppelten Einlicfcrung des Manuskripts,mit den Erschwerungen, Verzögerungen und Belästigungen durch dieRevisionsümtcr, mit seiner Knebelung der Tagcsprcsse dieses ganzeSystem blieb nach den großen Jahren deutscher Freiheitskämpfe, nachden Verheißungen von Kalisch und nach der Erklärung der Bundesaktcunverändert erhalten, und kein Hardenberg dachte an seine Reform.Nur allzu bald aber begannen sich auch über Preußen die Schatten derReaktion zu legen, schon seit dem Sommer 1815. Die liberale Rich-tung Hardenbergs wurde zurückgedrängt, die Ccnsurvorschrifteu wurdenAnfang 1816 verschürft; Preußen war eingelenkt in das MettcrnichscheFahrwasser; und das, während gleichzeitig das Großherzogtum Sachsen-Weimar dem deutschen Volke zeigte, was der Geist der Bundesakte vonden Regierungen Deutschlands forderte, und im Z 124 der Grundgesetzeüber die landständische Verfassung vom 5. Mai 1816 alle und jedeCensur aushob. Ju Weimar gründete Bertuch das kühneOppositions-blatt" (Januar 1817); Preußen vernichtete im Januar 1816 denRhei-nischen Merkur", das bedeutendste Blatt jener Jahre, und damit diebedeutendste Wirksamkeit von Joseph Görres . Schon im Herbst 1815 be-gannen auch die Belästigungen derDeutschen Blätter" durch die säch-sische Censur, und im Frühjahr des folgenden Jahres erlagen sie derenfortgesetztem Druck; in Kurhcssen trat im Jahre 1816 eine Censur-ordnung in Kraft, die den Druck aller und jeder Bücher und Schriftenohne Censur verbot und den Vertrieb außerhalb Hessens erschienener,den kurhcssischen Staat betreffender Bücher nur nach besonderer Ge-nehmigung seitens der Censurkommission gestattete.