CensurverlMnisse, Perthes' Denkschrift vom Juli 1816. 77
Und die Nnchdrucksverhttltnissc?
Im Jahre 1816 machte sich neben den Männern der deutschen Deputation ein andrer auf, um seine Kräfte in den Dienst der ge-meinsamen Lache zu stellen: es war Friedrich Perthes .
Es kann Wunder nehmen, ihn nicht in näherer Fühlung zufinden mit den offiziellen Vertretern des deutschen Buchhandels beimBundestage. Sic fehlte sachlich nicht, wohl aber organisatorisch. Schonin den Jahren 1802—1804 hatte Perthes keine hervortretende Rolle ge-spielt; auch in der Jubilatc-Eingabc von 1811 kam seine Abneigunggegen gemeinsame Aktionen zum Ausdruck; in der Liste der achtzig Hand-lungen, die die Jubilatc-Vollmacht von 1814 unterschrieben, suchen wirseinen Namen vergeblich, und er hat ihn ihr auch nachträglich nicht ein-gefügt. Perthes, mit welcher ganz besondcrn Stärke er auch für dengeschäftlichen Zusammenhalt eintrat, glich darin einem andern großenStreiter gegen den Nachdruck, den wir bald aufs thätigstc beim Bundes-tage werden wirken sehen: Friedrich Arnold Brockhaus , dessen Wahlspruchin noch höherm Maße das Wort Tells war: „Der Starke ist am mäch-tigsten allein".
Perthes ließ sich nicht auf die Forderung der Prcßsreihcit ein,sondern faßte nur die Abstellung des Nachdrucks ins Auge und legteseine Gedanken in einem Aufsatz nieder, dessen Titel: „Der deutscheBuchhandel als Bedingung des Daseyns einer deutschen Litteratur"(July 1816), seine Grundgedanken deutlich ausspricht, und der sich denSchriften Kotzcbues, Ludens und Eberhards als eine vierte, und zwarals die beste Denkschrift des deutschen Buchhandels anreihte.
Gerade, als der Verfall der bisherige» Verfassung sich ganz offen-barte, wuchs in Deutschland , ein Zeichen der unzcrstörlichcn Nationalitätder Deutschen , das Interesse an vaterländischer Sprache und Litteraturund wurde mit dem Unglück des Vaterlandes die Liebe für deutsche Artund Kunst immer reger, und als das Deutsche Reich zu Grunde ging,schwoll sie zur Begeisterung. In der schweren Zeit der NapolconischenHerrschaft war es unsere Litteratur, die wir als den Gesamtausdruckdes geistigen Lebens deutscher Völker, unsere gemeinsame Sprache, diewir als das unverletzliche Bildungsmittel deutscher Stämme wieder schätzenlernten, zu schätzen und „heilig zu halten — für bessere Zeiten". DieseZeiten, die die Zeitgenossen erst den Nachkommen bcschiedcn glaubten.