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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
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Perthes' Denkschrift und Reise vom Jahre 1816.

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Verbote des Nachdrucks schlechthin redeten, fordert Perthes zum erstenMale in Deutschland ausdrücklich und bestimmt die gesetzliche Einführungdessen, was die französische Gesetzgebung äoumiuö xudlie nannte, einzeitlich beschränktes Eigentums- und Verlagsrecht.

Die Schrift ist ein Torso. Drei Abschnitte, die Perthes ursprüng-lich noch folgen lassen wollte, blieben leider ungeschrieben. Der Gegen-stand des ersten sollte das Eigentumsrecht der Autoren in den ver-schiedenen Ländern sein, der des zweiten ein Gesetzcsvorschlag über dasjenigeder deutschen Autoren und der Gegenstand des dritten dieAusbildungder Organisation des deutschen Buchhandels, wodurch ohne die Freyheitdes Handels zu beschränken, Garantie geleistet wird gegen Beeinträch-tigung des Publicums und der Literatur durch eigennützige Autoren undbetrügerische Buchhändler". Eine auffallende Überschrift, diese letzte!Spielte Perthes wieder mit Ideen wie auf anderm Gebiete damalsvor fünf Jahren?

Perthes gab aber seinen Gedanken die Lebendigkeit persönlicher An-schauung und seiner Wirksamkeit Fleisch und Blut, indem auch er eineFahrt nach Wien und nach Frankfurt unternahm, diese Fahrtaber, die er am 19. Juli 1816 antrat und am 8. Oktober desselbenJahres beendete, und auf der er das ganze außerhalb der beiden altensächsischen Rcichslreise gelegene Buchhandclsgebiet kennen lernte, zugleichzu einer bibliopolischen Studienreise gestaltete.

Er sah die weiten Länderstrecken Westfalens , in denen wissenschaftlicher,speziell historischer Sinn seit Alters her nicht fehlte, und das doch buch-händlerisch aufs dürftigste angebaut und mit dem übrigen litterarischenDeutschland in geringer Verbindung war. In Barmen, Duisburg, Lemgo ,Detmold, Paderborn, Hamm konnten sich Buchhandlungen gar nicht odernur mit Mühe und geringer Lebendigkeit halten; sogar in Münster waren die frühcrn guten Handlungen schon gegen Ende des vergangenenJahrhunderts schwach geworden oder untergegangen, in Osnabrück wardie einzige reguläre Handlung eingegangen, und der Bllcherverkehr lagin der Hand der Buchbinder. Der Nachdrucksvertrieb war allgemein,von der Regel eine Ausnahme zu machen dem Einzelnen fast unmöglich.Junge tüchtige Kräfte regten sich; aber bei dem fehlenden Fracht-verkehr, und den außerordentlich hohen Kosten der durch die hessischen,hannöverschcn und sächsischen Anstalten zugleich vermittelten Postsendungen

Geschichte des Deutschen Buchhandels. IV. 6