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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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82 2. Kapitel: Der Buchhandel im Kampfe um Rechtsschutz und Preßfreiheit.

war die Verbindung mit Leipzig aufs peinlichste erschwert. Durch denNebenbetrieb sogenannten Kunsthandels, des Verkaufs von Bildern, Land-karten, Farben und Zeichenmaterial, eines Geschäftszweigs, der mit denitalienischen Colporteuren in Berührung stand, mußte sie sich existenzfähighalten. Mit dem katholischen Süddeutschland bestand gar kein Zusammen-hang, wenigstens kein anderer, als daß in Westfalen erscheinende Gebet-bücher, Heiligengcschichten u. s. w. dort nachgedruckt wurden; um die An-knüpfung von Verbindungen in Ulm, München, Salzburg, Augsburg ,Österreich für westfälische Handlungen wurde Perthes mehrfach gebeten.Bremen und Hannover hatten um die buchhändlerische Vorherrschaftin Westfalen gekämpft, und Hannover hatte den Sieg behalten; dieHahnschc Buchhandlung in Hannover versorgte fast ausschließlich dasLand, durch Ostfriesland bis nach Holland, durch Westfalen bis zumRhein, südlich bis Cassel, im Norden bis Bremen ihre Wirksamkeit er-streckend. Nicht zu Perthes' ungeteiltem Beifall, wie sehr er ihre Ein-sicht, Ordnung und Thätigkcit schützte; er fand eine solche Zentralisationin mancher Hinsicht nachteilig; auf die Auswahl der an den verschiedenenSchulanstalten gebrauchten Lehrbücher z. B. übte nach ihm die HahnschcBuchhandlung nachteiligen Einfluß. Sechs bis zehn tüchtige Handlungenhätten in dem Kreise, den jetzt sie allein befriedigte, bestehen können undden litterarischen Verkehr in weit eindringenderer Weise belebt.

Er sah die Lande links und rechts des Rheines von Düsseldorf bisMainz , die mit dem Buchhandel Norddeutschlands nur in loser Verbin-dung standen. Köln barg Handlungen, die rasches Aufblühen versprachen Du Mont-Schauberg; Jmhof Heberles Antiquariat und wuchseiner buchhändlerischen Herrscherstellung in den linksrheinischen Landen zu;in Düsseldorf aber sah esganz elend" aus, sodaß man die Litteratur,die sich über der Buchbinderstufc erhob, aus Frankfurt oder Essen, woBaedeker einen guten Namen hatte, selber verschreiben mußte, in Coblenztrieb nur ein Buchbinder nebenbei einigen Bücherverkauf, Bonn be-herbergte den großen Musikalienverlag Simrocks, hatte aber keine Buch-handlung, und nicht viel anders stand es in Aachen, Trier oder Wies-baden . Die ganze heutige Nheinprovinz und der RegierungsbezirkWiesbaden mit einem Worte war, wie Perthes sich summarisch aus-drückt: für den deutschen Gesamtbuchhandcl unbekanntes Land. Daswaren echte Ergebnisse und echte Reste früherer westdeutscher Zustände,