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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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84 2. Kapitel: Der Buchhandel im Kampfe um Rechtsschutz uud Preßfrciheit.

ausgedehnter Verkehr; stattliche Lager alter und neuer Bestände; betrieb-same, kluge, zum Teil hochgebildete Geschäftsleute. Aber Varrcntrapp(in so geradem Gegensatz zu den Grundsätzen des Vaters), der schon einBierteljahrhundert vorher beim Wahlkonvcnt für Abstellung des Nach-drucks gewirkt hatte, war der einzige, der keinen Nachdruck trieb undvertrieb. Der ganze Frankfurter Geschäftsgang war mit dem Nachdruckaufs festeste verwachsen; auch vom rechtmäßigen Verlag wurde die Haupt-masse durch Verbindungen mit auswärtigen Nachdruckern abgesetzt.

Feste Burgen eines einigen Gesamtbuchhandcls im Geiste des nord-deutschen Verlags ragten dafür weiter im Südwesten aus dem Gebiete selbstdes württembergischen Nachdrucks hervor. Da war Darmstadt, Heidel-berg, Stuttgart , wo Leske, wo Mohr und Winter, wo Cotta die Verbin-dung von Hessen, Baden, Württemberg mit dem übrigen Deutsch-land herstellten. Und ähnlich wie in Westfalen, am Rhein , im pro-testantischen Südwesten sah Perthes sogar im Herzen des katholischenBuchgewerbes Süddeutschlands die Fingerzeige, die aus alter in neueZeit, aus dem Zustand der Vereinzelung in den der Vereinigung wiesen.Mit einem Staunen, von dem man fast sagen möchte, daß es mit einerArt Entsetzen gemischt war, durchwanderte der Mann, der aus demLande kam, wo der Hauptstrom des protestantischen Deutschlands seineWellen in dasdeutsche Meer" ergoß, die altertümlichen Säle undKammern der Hochburg jenes Buchhandels, Augsburgs .Wundersamund abenteuerlich" sah es hier aus!Eine Büchcrwelt für sich. Ichhabe viel Absonderliches erwartet, aber alle meine Erwartungen sindweit übcrtrofsen." Noch wurden die katholischen Handlungen alslateinische" von den protestantischen, die außerhalb Augsburgs gedruckteBücher verkauften, unterschieden. Während im übrigen Deutschland Verlag und Sortiment (d. h. Verlag und Verlagssortiment oder Ver-lagssortiment und Verlagssortiment) Hand in Hand arbeiteten, warendie großen Augsburger Häuser, wie Matthias Riegers Erben, in sichabgeschlossene Unternehmungen, deren Reisende Oberschwaben , die Rhein-lande bis nach Köln, ganz Bayern, die Schweiz, Tyrol bis Bozen stündig durchzogen, und das Publikum war so an ihr regelmäßiges Er-scheinen gewöhnt, daß es seine Bestellungen auf alles mögliche Augs-burger Gut nicht nur auf Bücher, Kunstsachen, Bilder und Papier,sondern auch Leinen, Schmuck u. s. w. bis zu ihrer Ankunft aufhob.