Perthes' Reise vom Jahre 1816.
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Mit Leipzig standen die großen katholischen Verlagshüuser, so JosephWolf , in keiner Verbindung. Warum sollten sie die „damit verbundenenGefahren und Unbequemlichkeiten" auf sich nehmen? Sic füllten dieBibliotheken der Klöster und Geistlichen mit schweren kirchlichen Werkenund speisten das Volk mit urgewohnten katholischen Schriften undSchriftchen, hatten einen Absatz, so „unglaublich groß", daß die Bände-zahl keiner andern deutschen Stadt mit Augsburg im Entferntestenverglichen werden konnte, und wurden so wohlhabend „wie keiner unteruns". Aber nun die Klöster aufgehoben! Die Geistlichen verarmt!Bürger und Bauern im Begriffe, neue, erst eigentlich litterarische Be-dürfnisse zu entwickeln. Konnten sich die Augsburger aus Gemächlich-keit noch nicht dazu entschließen, sich am Buchhandel des übrigenDeutschlands umfassend zu beteiligen: die Notwendigkeit dazu sahen alle,auch die größten Handlungen ein. „Binnen kurzer Zeit gehört Augs-burg gewiß dem deutschen Buchhandel an und wird dann von großerBedeutung sein; seit langer Zeit ist man weit und breit gewöhnt, vielGeld für Bücher auszugeben, wenn auch nicht für die rechten."
Reiche Anregungen und Einblicke gewährte Perthes der Verkehr mitden Bischöfen, Domherren und Vikaren, den Präsidenten und Regierungs-räten, den Gelehrten, Künstlern und Schriftstellern wie Kohlrausch,Kortüm, Delbrück in Düsseldorf, Görres in Koblenz, Friedrich Schlegel in Frankfurt, Jfbert, Paulus, Boisseree, Voß in Heidelberg , Jacobi inMünchen ; die wichtigsten Etappen seiner Reise aber waren doch dasSchloß Stein, Frankfurt mit seinen Geschäftsträgern und Gesandtenund Wien . Die wichtigsten, aber auch diejenigen, welche neben denzahlreichen günstigen Aussichten die ganze Stärke des Widerstands zeigten,der von Österreich zu erwarten war. Schon die Äußerungen desFreiherrn von Stein klangen wenig zuversichtlich. Österreich freilichwerde schwer zu gewinnen sein. Die Sachlage wurde deutlicher inFrankfurt . In der Verurteilung des Nachdrucks waren alle hier ver-sammelten Staatsmänner einig, sogar die Bevollmächtigten Bayerns und Württembergs — wenigstens für ihre Person. Am ernstestenund gründlichsten ging Wilhelm von Humboldt auf Perthes' Absichtenein; den Gegenpol zu Preußen aber bildete Österreich . Schlegel fürchtetedort starken Widerstand, und zwar besonders vom Buchhandel. Ermachte darauf aufmerksam, daß man in Österreich nur wenige Bücher