86 2. Kapitel: Der Buchhandel im Kampfe um Rechtsschutz und Preßfreiheit.
lese. Ein festerer Geschmack sei davon die Folge; die Nachdrucker hättendaher sichern Anhalt für ihre Unternehmungen und würden sich denGewinn, den sie aus ihrer abgesonderten Lage zögen, durch eine enge Ver-bindung mit dem deutschen Gesamtbuchhandel nicht entziehen lassen.Buchholz erklärte die von Perthes erstrebte Einheit des deutschen Buch-handels für eine gefährliche Waffe in der Hand verderblicher Parteien;sie würde den schädlichsten Meinungen allgemeine Verbreitung auch inLändern sichern, in die sie bisher noch nicht gedrungen seien. Ebensoerklärte Christian Schlosser jede enge litterarische Verbindung des südlich-katholischen mit dem nördlich-protestantischen Deutschland für verhäng-nisvoll; die Folge würde der verstärkte Einfluß der fanatisch-protestantisch-demokratischen Partei auf das südliche Deutschland sein. Wer solche An-sichten vernommen hatte, konnte auch dem Maestoso des österreichischenGesandten, des stolzen Grafen Buol selbst den rechten Text unterlegen.In Wien versprach der Erzherzog Johann in allgemeinen Ausdrücken, dasverdienstliche aber schwierige Unternehmen, Österreich dem deutschen litte-rarischen Verkehr zugänglich zu machen, mit allen Kräften zu unter-stützen. Der Direktor im Polizcidepartement versicherte, die höchste Stellehabe sich zur Hauptaufgabe gemacht, in allen Teilen des Reichs deutscheBildung, also auch deutsche Litteratur zu verbreiten. Hatten MariaTheresia und Trattner andere Absichten gehabt? Wo die Erwiderungenausdrücklich auf die Nachdrucksfrage eingingen, lauteten sie deshalbganz anders. Der Chef des Handelsdepartements von Stahel antwortetePerthes, hier gebe es nur einen Weg: eine Eingabe des Wiener Buch-händler-Gremiums, in der ausgeführt werde, daß es nach dem derzeitigenStande der Litteratur für das Ganze des Büchergewcrbes in Österreich förderlich sei, künftig auf den Nachdruck ausländischer Werke in Öster-reich zu verzichten; daß zwar einzelne Buchhändler zeitweise Schaden er-leiden würden, aber für den österreichischen Gesamtbuchhandel eindauernder Gewinn erwachsen und die Handelsbilanz auch des Buch-handels sich zum Borteil Österreichs stellen würde. War aber auf einesolche Eingabe zu hoffen? Stahel selbst warnte davor, sich darüberTäuschungen hinzugeben. „Die österreichischen und insbesondere dieWiener Buchhändler befinden sich in ihrer gegenwärtigen Lage zu be-haglich; sie werden eine Stellung freiwillig nie verlassen wollen, inwelcher sie mit wenig Thätigkeit, mit wenig Kenntnis und Aufmerksam-