Perthes' Reise vom Jahre 1816. „Verteidigung des Büchernachdrucks". 87
keit wohlhabende Leute werden. Wider den Willen der Buchhändler aberwird die Regierung sich schwerlich entschließen, Schritte gegen den Nach-druck zu thun."
Wie die österreichischen Buchhändler dachten, zeigt die damals inPrag erschienene „Vertheidigung des Büchernachdrucks in Österreich ".Shakespeare schrieb seine Dramen, als er von Hunger und Schuldenverfolgt wurde, und als er sie sich „durch Abhctzung seines poetischenGenius vom Halse geschafft hatte", schrieb er „keine Szene weiter";Cervantes wurde „nur durch die Klemme dahin gebracht, sich in dieDruckerpresse zu begeben"; Klopstock bekam für die fünf ersten Gesängedes Messias von seinem Verleger als „Beweis seiner Großmuth" einenTressenhut und ein Tressenkleid. Folglich lassen sich nur diejenigen,welche „keine schönere Welt besitzen, in welche das Darben sie treibt,oder Schriftstellerarbeitcn, wie irgend ein anderes Gewerbe übernehmen",durch Gcldlohn antreiben. Folglich sind geistige Erzeugnisse nur die-jenigen, welche nicht aus Rücksicht auf Geldlohn entstehen. Folglichkann ihre Produktion dadurch, daß der Nachdruck das Honorar drückt,nicht beeinträchtigt werden, diejenigen Produkte aber, bei denen es derFall ist, sind keine geistigen Erzeugnisse, brauchen folglich vom Staatenicht geschützt zu werden. Folglich ist der Nachdruck unter allen Um-ständen berechtigt. In Österreich aber ist dieser allgemein berechtigteNachdruck noch dazu unbedingt notwendig; es leidet keinen Zweifel, daßdie Norddeutschen sowohl im amtlichen Geschäftswesen, als im Bücher-schreibcn und geistigen Verkehr überhaupt, eine „gewisse fabrikmäßigeGeschicklichkeit, Rüstigkeit und Gcwandheit" besitzen, deren die Österreichernicht in gleichem Grade mächtig geworden sind; und unter der Machtdieses Grundes, der ihm den Nachdruck angeraten und geboten hat, bleibtÖsterreich „aus jeden Fall noch eine Zeitlang stehen. . . . Nur dann,wenn durch glückliche Verhältnisse die österreichischen Schriftsteller undVerleger zu einem ungemeinen Flor gelangt sind, darf die Regierungden deutschen Buchhandel nicht mehr als einen Passivhandcl für ihreLänder fürchten, und kann den Nachdruck aufheben". Die österreichischenNachdrucker bilden eine „lobcnswcrthe, große Zunft unter dem Schutze, selbstder Aufmunterung einer der ersten Mächte der Welt" und „weisen ihreWaaren mit unbefangener, schuldloser, sogar gefälliger und triumphircnderMiene". Die Klassikcrausgabcn der Wiener Nachdrucker sind billiger