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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der Fremdherrschaft bis zur Reform des Börsenvereins im neuen Deutschen Reiche / Johann Goldfriedrich
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94 2. Kapitel: Der Buchhandel im Kampfe um Rechtsschutz und Prcßfreihcit.

Allein konnte sich ein Beginnen wie das Eberhardsche oder selbstMohr-Eberhardsche in Leipzig in seiner reinen Beschränkung unberührterhalten? Hier wallten und wogten die Nebel von 1802, von 1807,von 1812, von 1814, formlos und rcformträchtig, und rangen nachGestalt. Deralte Kummer", wie man den 1750 geborenenÄltestender Buchhandlungsdeputicrten" (so, mit deutlichem Anflug der gleichenBedeutung wie in der Bezeichnung: Ältester der Kaufmannschaft, nannteer sich selbst) in einer nicht nur für sein Lebensalter bezeichnenden Weisedamals zu nennen begann, ein gerader und aufrichtiger, wenn auchetwas pedantisch-breitspuriger und einigermaßen Leipzigerisch-eigenmächtigcrBiedermann, war der neueOrganisationsrath", mit dem Bertuchmanche Not hatte, der vielgewandtc und zielsichere Bertuch, der, obgleicher Kummer an Alter sogar überlegen war, dem Buchhandel doch ewigals ein Jüngling erschien. In der That, Kummer, der als behördlichanerkannte Spitze der Deputation der Buchhandelscentrale und Urheberder Sendung nach Wien (so nennt er sich ebenfalls mehrfach und mitBetonung) fast wie eine Art Vorsteher des deutschen Buchhandels an-geschen wurde, sich selbst ähnlich betrachtete und jedenfalls, mit treuemErnst und manchem Opfer an Mühe, Zeit und auch pekuniären Mittelnähnlich handelte, traf sofort die Vorbereitungen, um die Mohr-Eber-hardschen Anregungen zu benutzen zur endlichen Gründung eines wohl-organisicrtcn deutschen Vereins, der sich außer mit der Bekämpfung desNachdrucks mit der Pflege der allgemeinen Interessen des Buchhandelsüberhaupt und besonders mit der Polizierung des Kundcnrabattwesensbefassen sollte, und die kleine Hallcschc Welle ging in den breitenLeipziger Wogen auf. Ein von den drei Leipziger Deputierten undHartknoch ausgcsandtes Circular vom 8. Mai erklärte, daß sowohl imSortiment als Verlag Reformen aufs dringendste erforderlich seien, demBuchhandel zu Vorteil und Ehre, und daß in der That immer allge-meiner die Notwendigkeit erkannt werde,viele, den Buchhandel be-treffende Gegenstände", die teils den Verlags-, teils den Sortiments-händler zunächst interessierten, einerwohlüberlegten und gewissen-haften Beratschlagung" zu unterwerfen, umwo möglich eine Mengevon Beschwerden und Klagen" endlich zu beseitigen. Jeder in Leipzig an-wesende Buchhändler sollte 25 Buchhändler bezeichnen, gleichgültig, obsie die Messe besuchten oder nicht, aber möglichst aus den verschiedensten